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„Herbstgold“ Premiere: Starke Schauspieler, schwache Story

„Herbstgold“ Premiere: Starke Schauspieler, schwache Story

„Herbstgold“ erntet bei seiner Premiere mageren Beifall.

Düsseldorf. Eine Komödie soll es sein, das neue Stück im Theater an der Kö. Eine Komödie mit ein wenig Tragik und Tiefe. Am Freitagabend feierte „Herbstgold“ Premiere — und konnte diese Versprechen nicht ganz einhalten. Denn was komisch sein sollte, wirkte häufig zäh und die tragischen Liebeswirrungen sorgten bei vielen Zuschauern tatsächlich eher für Verwirrung denn für mitfühlende Seufzer.

Dies lag allerdings keineswegs an der schauspielerischen Leistung der Darsteller: Eva Habermann überzeugte durch Frische und Natürlichkeit, ihr ungekünsteltes, lauthalses Lachen riss die Zuschauer auch in weniger amüsanten Momenten mit. Volker Conradt mimte den Aufreißer-Oldie Richard mit reichlich Süffisanz und Augenzwinkern und sieht seinem hageren „Sohn“ Felix alias Oliver Dupont tatsächlich ein wenig ähnlich.

Dupont ragte mit hervorragender Mimik heraus und ließ die kleinen Timing-Schwächen des Ensembles beinahe vergessen. Einzig Christine Kaufmann spielte stellenweise sehr theatralisch, in jeder Geste und jedem Blick schwang die Diva mit und überschattete ihre Rolle.

Aber auch die guten Schauspieler vermochten die eklatanten Schwächen des Stücks nicht ausgleichen: Alle möglichen Formen der Liebe hatte Regisseur Folke Braband sich vorgenommen, flüchtige, oberflächliche Affären, Liebe auf den ersten Blick und die ewige, alles überdauernde Liebe. Junge Frau liebt älteren Mann und umgekehrt, alle paaren sich kreuz und quer.

Das alles geschieht so schnell, dass für den Zuschauer bald nicht mehr nachvollziehbar ist, warum die verklemmte Witwe Alice (Kaufmann) plötzlich den Freund ihrer Tochter anflirtet oder die junge Lena (Habermann) innerhalb von drei Minuten im älteren Richard (Conradt) den Mann ihres Lebens gefunden haben will.

Andauernd kommt es zu Missverständnissen, weil die Charaktere einander einfach nicht zuhören — was wohl komisch wirken soll, nach einer Weile jedoch eher an den Nerven der Zuschauer zerrt. Entsprechend sparsam fiel dann auch der Applaus am Ende der Premieren-Aufführung aus.