Kritik: Hélène Grimaud brilliertmit Bach und Mozart

Kritik : Hélène Grimaud brilliertmit Bach und Mozart

Das Konzert in der Tonhalle ist ein Hochgenuss.

Düsseldorf. Ohne Dirigenten tritt das Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks auf. Die im Stehen musizierende Eliteeinheit des weltberühmten Symphonieorchesters hat dafür einen Konzertmeister, der die musikalische Lage unter Kontrolle behält. Offiziell mit der Leitung betraut war allerdings die Solistin des Abends, Hélène Grimaud, die französische Tastenlöwin. Beim Heinersdorff-Konzert in der Tonhalle schien sie sich ganz auf ihren Klavierpart zu konzentrieren. Zum Schaden des musikalischen Ergebnisses war dies keineswegs: Der Abend wurde zum orchestralen wie pianistischen Hochgenuss.

Bereits das Eröffnungsstück, Samuel Barbers zugleich melancholisches und die Seele balsamierendes „Adagio for Strings“, ließ durch weichen und leuchtenden Wohlklang aufhorchen. Melodieführung und Harmonie verschmolzen in dieser Wiedergabe, bei der nur die Streicher des Orchesters beteiligt waren, zu einer berührenden musikalischen Einheit.

Erst danach betrat Grimaud das Podium, spielte einen brillanten und transparenten Bach voller Energie. Als Spezialistin für Romantik verzichtete sie auf puristische Trockenheit und griff kraftvoll, aber auch sensibel in die Tasten. Auch Mozart gestaltete sie mit Sinn fürs Dramatische. Mit dem lyrischen Mittelsatz aus Dmitri Schostakowitschs 2. Klavierkonzert bedankten sich Pianistin und Orchester für den starken Beifall.

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