Heinehaus: Clevere Fragen und umständliche Antworten

Heinehaus: Clevere Fragen und umständliche Antworten

Ein Dialog zwischen dem Verleger Michael Krüger und dem Künstler Fritz Schwegler.

Düsseldorf. Ein Kampf zwischen David und Goliath war es eigentlich nicht, was sich beim Dialog zwischen Michael Krüger und Fritz Schwegler im Heine Haus abspielte. Es handelte sich eher um die locker dahingesprochenen Fragen eines Literatur-Fachmannes, der sich als allwissend gebärdete, und den Antworten eines Künstlers, der seine Kraft aus dem Nicht-Wissen, dem Unvollständigen, dem Unsichtbaren und Geheimnisvollen nimmt.

Der Geschäftsführer des Carl Hanser Verlags, Michael Krüger wurde vom Buchhändler Rudolf Müller als Schriftsteller, Poet, Verleger, Preisträger und Herausgeber umschrieben. Er sei ständig unterwegs. Krüger selbst gab clevere Stichworte, dirigierte gekonnt die Antworten des Fritz Schwegler, des Schöpfers abertausender von "Effeschiaden", wie er seine Werke nach seinen Anfangsbuchstaben "F" und "Sch" nennt. Ein ungleiches Team, denn Schwegler hatte gerade eine Herz-Operation hinter sich. Er fühlte sich nicht immer fit in dem überfüllten Raum. Dass es dann doch ein paar Höhepunkte gab, wirkt fast wie ein Wunder.

Schwegler sprach in seiner bekannten und beliebten Umständlichkeit über Urnotizbände, über die Art, wie er jeweils hundert Blätter im Leitzordner zusammenfügt, das Ganze stempelt und mit einer "Effesch-Nummer" versieht. Aber wie zufällig fügte er wunderbare Anmerkungen zu den vor ihm "auftauchenden" Bildern, Figuren, Zeichen, Worten und Sätzen. "Es sind wirklich Dinge gewesen, die jedoch niemals als solche real aufgehoben wurden. Sie waren da, aber in Wirklichkeit eigentlich nicht da. Aber da sie eben doch da waren, mussten sie sich mitteilen."

Was fragt man so einen verwinkelt denkenden Künstler? Nach dem System? Nach dem Überblick? Man erschrecke vor der wahnsinnigen Arbeit, vor der Fülle. Schwegler griff derlei banale Fragen auf und gab existentielle, zugleich humorvolle und absurde Antworten, die die vielen Meisterschüler im Saal spontan beklatschten: "Ich habe keine Angst vor dem Vergessen. Wenn man später alles vergessen muss, muss man nicht so viel vergessen. Wenn alle, die gestorben sind, noch leben würden, hätten wir keinen Platz. Deswegen ist alles in Ordnung."

Stets kommt in derlei Dialogen die Sinnfrage. Eine von Schweglers wunderbaren Antworten: "Was das ist, weiß ich so wenig wie du. Wenn man seine Gedanken verfolgt, dann kommt man immer auf Sachen, die man nicht versteht. Aber man muss davon ausgehen, dass auch das, was man nicht versteht, einen Bestand hat." Er habe gelernt, die Dinge, die blitzschnell auftauchen, zu notieren. "Ich habe ein Gespür dafür, dass die Dinge zu mir wollen. Das ist das Wichtigste, dass ich sie behalten und weitergeben will."

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