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Heidelinde Weis: Zurückkommen wollte sie nie

Heidelinde Weis: Zurückkommen wollte sie nie

Um Düsseldorf hat Heidelinde Weis lange einen Bogen gemacht. Jetzt spielt sie die „Winterrose“ im Theater an der Kö.

Düsseldorf. Kürzlich war Heidelinde Weis in dem TV-Mehrteiler „Vorzimmer zur Hölle“ als Chefin eines Kosmetik-Konzerns zu erleben — hochelegant, mondän und in einer Weise Grande Dame, wie man es aus vergangenen Zeiten kennt: unnahbar und nicht ganz ungefährlich. Nun begegnen wir uns in einem Lokal an der Hohe Straße und plaudern über ihr Engagement im Theater an der Kö.

Frau Weis wirkt auf sympathische Weise unauffällig, nicht besonders groß, zart, dabei flink und dynamisch. Ihre markante Ponyfrisur sitzt akkurat, und man gewinnt den Eindruck, als sei dieser Haarschnitt für sie erfunden worden. Über ihrem hellgrauen Wollpulli baumelt eine orangefarbene Brille — Understatement pur. Weis, der Film- und Fernsehstar, gibt sich sachlich. Ihren Beruf nimmt sie sehr ernst.

Der professionellen Schauspielerei geht die Österreicherin seit den späten 50er Jahren nach — mit dauerhaftem Erfolg. Ihr Lächeln und Blick sind bezaubernd, und spätestens jetzt wird einem klar, dass man mit einer Protagonistin eines halben Jahrhunderts Theater-, Film- und Fernsehgeschichte beisammensitzt.

„Nie wieder Düsseldorf habe ich mir einst geschworen“, sagt Frau Weis mädchenhaft schmunzelnd. Ihr Mann und sie haben in den 60er Jahren das Theater am Worringer Platz betrieben und sind pleite gegangen. „Abgebrannt sind wir dann in München angekommen, wo wir uns eine neue Existenz aufbauten.“ Seitdem habe sie einen Bogen um Düsseldorf gemacht.

René Heinersdorff, Leiter des Theaters an der Kö, konnte sie aber überreden, doch noch mal an den Rhein zu kommen. Das war vor 15 Jahren mit dem Esther-Vilar-Stück „Eifersucht“. Sie und der junge Heinersdorff kennen sich über den Schauspieler Harald Leipnitz. Und nun gastiert Heidelinde Weis zum zweiten Mal im Theater an der Kö.

Sie spielt in dem Stück „Winterrose“ eine Frau im fortgeschrittenen Alter, die per Zeitungsannonce einen Lebenspartner sucht. Ihr Bühnenpartner Rolf Berg mimt den betagten Intellektuellen, der auf einer Parkbank in Ruhe lesen will. Auf die Frage, ob sie sich mit einer der Figuren identifizieren könne, antwortet Frau Weis: „Weder noch.“

Die Frau gehe ihr grundsätzlich auf die Nerven, weil sie so extrovertiert sei. „Ich bin eher ein introvertierter Mensch“. Und der Mann sei ihr einfach zu langweilig. Derweil sei es gar nicht abwegig eine Person zu spielen, die anders ist als man selbst. „Das ist ja gerade das Schöne an unserem Beruf; wenn man immer die gleiche Figur spielen würde, wäre das doch furchtbar eintönig.“

Ihr Beruf hat sich gewandelt: „Ich würde heute nicht mehr Schauspielerin werden“, sagt sie. „Ich hätte das Durchsetzungsvermögen nicht.“ Das Geschäft sei härter geworden, alles müsse schneller gehen. „Um mich hat man sich noch gekümmert.“ Regisseure hätten ihre Schwächen erkannt und ihr geholfen. „Wirkliche Schauspieler sind introvertierte Menschen.“