Haydn, der heimliche Witzbold

Haydn, der heimliche Witzbold

Das junge Schumann-Quartett startet neue Reihe „erstKlassik“.

Düsseldorf. Es leuchtet mal bläulich, mal golden oder pink, als das neu gegründete Schumann-Quartett berühmte Kammermusikwerke von Joseph Haydn, Dmitri Schostakowitsch und Antonin Dvorák spielt. Die leuchtenden Farben, die mehrere Scheinwerfer auf dem Podium des Robert-Schumann-Saals erzeugen, sind aber nicht die einzige Innovation der soeben an den Start gegangenen Musikreihe "erstKlassik".

Zum Konzept der von Eckart Schulze-Neuhoff, Leiter des Schumann-Saals, initiierten Jugendreihe der Stiftung museum kunst palast gehört auch Inhaltliches. So tauschen die vier Musiker immer wieder mal ihre Streichinstrumente gegen das Mikrophon aus und berichten den Besuchern Besonderheiten über die Stücke und die eigene Herangehensweise an die Kammermusik.

Bei Haydns Kaiserquartett, einem der bedeutendsten Werke der gesamten Streichquartettliteratur, macht Primarius Erik Schumann darauf Aufmerksam, dass Haydn ein ziemlich humorvoller Mensch gewesen sein muss.

Allein die vielen Überraschungseffekte und Spiele mit Hörerwartungen, bei denen Haydn den Zuhörer liebevoll an der Nase herumgeführt, wiesen Haydn als heimlichen Witzbold aus.

Dass die Vier den berühmten Variationssatz über das Thema "Gott erhalte Franz den Kaiser" (Melodie der heutigen deutschen Nationalhymne) ungewöhnlich flott spielten, erklärten sie mit der historisch informierten Aufführungspraxis unserer Tage, die sich von der romantischen Auffassung des mittleren 20. Jahrhunderts verabschiedet.

Damit sich der Besucher seinen eigenen Reim drauf machen kann, spielte das Quartett den Anfang einmal im romantisch langsamen und dann im authentisch klassischen doppelten ("alla breve") Tempo.

Das studentische Quartett musiziert bereits so versiert wie ältere Hasen, erfrischt aber auch durch jugendlichen Elan und eine sehr neugierige, abenteuerlustige Herangehensweise, was auch dem herben 7. Streichquartett von Schostakowitsch und Dvoráks folkloristisch lebensfrohen "Amerikanischen Quartett" zugute kommt. Die neue Reihe erweist sich mit diesem Debüt als Bereicherung für die musikalische Jugendarbeit in Düsseldorf, ein neuer Trumpf für den Schumann-Saal ist sie allemal.

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