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Hans Mayer zeigt letzte Ausstellung vor dem Umzug ins Schmela-Haus

Der Galerist Hans Mayer nimmt Abschied : Good Bye, Grabbeplatz

Hans Mayer zeigt seine letzte Ausstellung vor dem Umzug in das Schmela-Haus. Rückblick und Ausblick auf ein langes Galeristen-Leben.

Hans Mayer, mit 79 Jahren Senior der Düsseldorfer Galeristen, verlässt in Kürze seinen angestammten Platz am Grabbeplatz. 1971 hatte er dort mit dem De Stijl-Künstler Georges Vantongerloo angefangen, nach Etappen in Dortmund, Esslingen und Krefeld. Knapp 50 Jahre sind seitdem vergangen. Die Bilanz fällt gut aus. Er präsentierte 1972 den berühmten Zero-Raum, der die Stars der 1960er Jahre im gleichen Format vereinte und den die Stadt hätte kaufen können, wäre die Kulturpolitik nicht so träge gewesen und geblieben. 1979 managte er die Zusammenkunft von Beuys und Warhol. Stars wie Keith Haring und Basquiat, Caro, Newton und Lindbergh, Klauke und Tony Oursler, Uecker und Rauschenberg wurden gezeigt. In seinem Büro hängt das Bild „Nasenbohrer“ von C.O. Paeffgen, es scheint den guten Riecher des Galeristen zu karikieren. Im schönsten, weil höchsten Schauraum Düsseldorfs heißt die Schau „Good bye, Grabbeplatz“. Es ist die letzte Ausstellung am Ort.

Frohgemut verabschiedeten sich große und kleine Sammler

Zum Abschied kamen viele Gäste, die er mit seinen Kunstverkäufen glücklich gemacht hatte. Keiner machte den Eindruck, als habe man ihn über den Tisch gezogen. „Sie sind durch Hans reicher an Schönheit und Nachdenklichkeit über das, was in der Welt passiert, an Phantasie und an Kunst geworden“, sagt seine Frau Stephanie, die er 1973 kennengelernt und 1980 geheiratet hat.

Hans Mayer sah stets in seinen Ausstellungen eine „Plattform des Geistes und ein ästhetisches Vergnügen“. Robert Longo passt mit seiner sieben Meter langen und knapp vier Meter hohen Riesenwand genau an diesen Ort. „The last Flag, The Ballot or the Bullet“ heißt sie. Die „letzte Flagge“ gilt dem Sternenbanner als hölzerner Mauer mit schwarzem Wachs. Der Untertitel ist ein Zitat von Abraham Lincoln: „Der Wahlzettel ist stärker als die Kugel.“ Eine teuflische Arbeit, denn die 50 Sterne tragen die Farbe des Todes. Longo zeigt die Sterne spiegelverkehrt, so dass sie wie ein Jagdgeschwader aus dem Bild herausdriften. Und die rot-weißen Streifen als Symbol für Tapferkeit und Unschuld sind durch sargähnliche Bretter ersetzt. Ein Abgesang also auf das einstige Ethos der USA.

Über Longo hatte der Galerist den berühmten Videokünstler Tony Oursler kennengelernt. In dessen Arbeit „Sugar“ geht es nicht nur um Musik  und Heroin, sondern auch um die Künstliche Intelligenz in der Gesichtserkennung, in den schwarzen und weißen Porträts, den Masken und Gesichtern.

 Ein „Heimspiel besonderer Art zwischen Mann und Frau

Jürgen Klauke, einer der markantesten Vertreter der späteren Body Art (Körperkunst), ist mit seinen provokativ inszenierten Foto-Arbeiten ein steter Wegbegleiter des Galeristen. „Ich lernte ihn kennen, indem ich ihm ein Bild abkaufte. Das ist der schnellste Weg, um einen Künstler kennenzulernen. Ich halte ihn für mindestens so bedeutend wie Polke“, sagt Mayer. Und Klauke revanchiert sich nun mit einem „Heimspiel“ von Mann und Frau, indem das Alter Ego des Künstlers mit Lackschuhen und schwarzem Anzug unter den Rock einer Frau kriecht, dabei aber nicht ganz verschwindet. Ein witziges und ironisches Sinnbild für Anziehung und Abstoßung zwischen Mann und Frau.

Der Entdecker und Freund des Fotografen Peter Lindbergh

Im Obergeschoss hängen Fotos von Peter Lindbergh, dem ältesten Freund. Lindbergh hieß noch Pit Brodbeck und studierte Malerei an der Werkkunstschule Krefeld beim Hard-Edge-Pionier Günther C. Kirchberger, der seinen Eleven weniger Malerei als Kochkunst beibrachte. Pit wurde Assistent in Mayers Krefelder Galerie und fuhr mit Bildern im Kofferraum durch halb Europa. Als ihm Mayer 1969 eine Ausstellung großformatiger Schwarz-Weiß-Bilder auf Metallplatten widmete, war dies Pits einziger Versuch als Maler. Die Bilder blieben Ladenhüter, und Pit wurde zum Düsseldorfer Werbefotografen Hans Lux weitergereicht, kaufte sich eine gebrauchte Minolta und machte einen Karriereschwenk zum berühmten Fotografen unter dem Pseudonym Peter Lindbergh. Als Lindbergh 1998 bei Mayer an der Kaistraße ausstellte, standen die Besucher Schlange. Die Fotos wurden dem Galeristen aus der Hand gerissen.

Ende Februar aber ist am Grabbeplatz Schluss, und weder Hans noch Stephanie Mayer sind traurig. Stephanie Mayer spricht sogar vom „großen Glück“. Sie freut sich auf den Umzug ins Schmela-Haus als bester Adresse für die Kultur, aber auch über die Kinder Max und Marie, die unter dem gemeinsamen Dach ihre Galerien führen wollen. „Wir haben es nicht erwartet. Aber es ist toll, dass es so gekommen ist“, sagt sie.

Umzug ins denkmalgeschützte Schmela-Haus

Es wird keinen Umbau im denkmalgeschützten Gebäude geben, wie manche Zeitungen berichtet haben. Stephanie Mayer spricht von minimalen Änderungen, wenn sie sagt: „Die Bar wird entfernt, so dass der Barraum wieder Ausstellungsraum wird. Die Garage wird für Ausstellungen gleichfalls reaktiviert. Die Beleuchtung muss etwas anders werden. Das ist alles nicht problematisch. Eigentlich könnten wir schon bald einziehen, wäre da nicht der Aufzug. Er muss öffentlichkeitstauglich und vom Tüv abgenommen werden. Glücklicherweise macht die Kunstsammlung als Hauptmieter Druck auf die Leute vom Bau- und Liegenschafts-Betrieb des Landes, denen die Immobilie gehört. So verläuft alles reibungslos“. Im Schmelahaus werden Marie und Max Mayer agieren. Marie hat in New York und London studiert und arbeitet seit über sechs Jahren in der Galerie des Vaters. „Sie hat“, so die Mutter, „einen sehr guten Blick, kann Ausstellungen machen und toll organisieren.“ Die Fähigkeiten von Max sind dank seiner eigenen Galerie bekannt. Er ist viel theoretischer als seine Schwester, aber er geht für seine vielfach jungen Künstler durchs Feuer. Die Senioren wollen allerdings noch nicht gänzlich Abschied nehmen, sondern regelmäßig auch am neuen Standort anzutreffen sein. Den Besuch von Messen werden sie jedoch einschränken, zumal sich die enormen Kosten kaum noch rechnen. Da sei es gut, dass es die Art Düsseldorf auf dem Böhler-Gelände gebe.