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Tonhallen-Saison startet: Großer Abend für die unbekannte Klassik

Tonhallen-Saison startet : Großer Abend für die unbekannte Klassik

Die Tonhallen-Saison startet mit dem Sternzeichen der Düsseldorfer Symphoniker.

Düsseldorf. Mozart, Beethoven, Schubert — sie alle sind berühmt für ihre großen Werke. Von diesen Klassikern der Wiener Schule gibt es aber auch Kompositionen, die im Musikbetrieb eher ein Mauerblümchen-Dasein fristen: Dazu gehören unter anderem die Vierte Symphonie und die Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Ludwig van Beethovens. Aber auch die kurze G-Dur-Messe Franz Schuberts oder Mozarts Klavierkonzert C-Dur genießen nicht gerade das regelmäßige Rampenlicht.

Zusammen genommen füllen sie aber doch einen ganzen Abend und besitzen zudem den Charme des Nichtabgedroschenen. Mit diesen Randgewächsen starten die Symphoniker und der Chor des Musikvereins unter der Leitung von Gastdirigent Mario Venzago in die neue Saison. Solist ist der begabte Pianist Kit Armstrong .

Der aus Los Angeles stammende Schüler Alfred Brendels hat nicht nur Musik, sondern auch Naturwissenschaften studiert und bereits früh ein Examen im Fach Mathematik abgelegt. Und Armstrong (24) komponiert. Als Komponist besitzt Armstrong auch eine ausgeprägte Fähigkeit zu improvisieren. Kein Wunder, dass er die Kadenzen im Mozart-Konzert — ganz wie in der alten Konzert-Tradition — sozusagen im Steggreif selber erfindet. Und dabei zeigt sich ganz nebenbei doch noch etwas, was Armstrong nicht ganz so gut kann: ein Ende finden.

Es hat schon fast etwas Amüsantes, wie redselig und ausführlich der Hochbegabte in seinen eigenen Kadenzen mit Mozarts Themenmaterial hantiert, trillert und immer wieder zu Schluss-Formeln kommt, dass mancher Geiger verfrüht sein Instrument in Spielpositur bringt. Er nimmt sich viele Freiheiten, bleibt aber gerade noch im Rahmen der Mozart’schen Klangwelt.

Unterdessen machen die Symphoniker einen sehr spielfreudigen und gut gelaunten Eindruck, die Armstrongs Extravaganzen mit Humor nehmen. Zumal: Der junge Pianist spielt glasklar Klavier. Als nahezu tadellos erweist sich auch die Singleistung des Chors. Die Schubert-Messe singt der Musikverein zwar in üppiger Verdi-Besetzung, findet aber stellenweise zu luftiger Leichtigkeit, die dem frühromantischen Opus von mediterranem Melos sehr gut tut. wall