Görner erweckt Gernhardt

Interview: Rezitator Lutz Görner gastiert mit seinem Robert-Gernhardt-Programm „Spaßmacher und Ernstmacher“ im Savoy.

Düsseldorf. Herr Görner, vermissen Sie Robert Gernhardt?

Görner: Ja. Aber ich bin auch ein bisschen sauer, dass er nicht früh genug zum Arzt gegangen ist. Sein Krebs ist zu spät erkannt worden. Er war mit 69 Jahren ja noch nicht am Rande des Todes.

Was gefällt Ihnen besonders gut an der Lyrik Gernhardts?

Görner: Ich lache nicht so gerne unter Niveau. Gernhardt war ein witziger Autor, der sich formal auskannte. Da gibt es nicht so viele, Morgenstern konnte das auch.

Gernhardt hat seine Gedichte sehr trocken vorgelesen. Bei Ihnen heißt es: "Görner spricht, singt, brüllt, tanzt."

Görner: Der Kölner sagt, der Gernhardt war ’ne dröge Pitter. Jede Pointe machte er sich kaputt und nuschelte den Schluss weg.

Wie machen Sie das denn?

Görner: Ganz anders, ich habe die Gedichte ja auch nicht geschrieben. Ich versuche so vorzutragen, wie ich denke, dass er sie geschrieben hat. Gernhardt ist 1991 in der Premiere gewesen und war hellauf begeistert. Der einzige, der bislang seine Gedichte vorgetragen hatte, war Otto. Und der machte das eben wie Otto.

Worin unterscheidet sich Ihr Programm "Spaßmacher und Ernstmacher" von der 1991er-Version?

Görner: Es ist eine Ode, die aus vielen Achtzeilern besteht. Dazwischen haben wir Gedichte gesetzt, die von U- und E-Kunst handeln. Jetzt versuche ich, beim Zuschauer ein Bild von Gernhardt entstehen zu lassen, ihn zu erwecken. So als hätte er nicht über den Dichter Dorlamm, sondern über sich selbst geschrieben.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Gernhardt?

Görner: Ich habe ja damals dazu beigetragen, dass er bekannter geworden ist. Vom "Wörtersee" gab es 1989 noch keine einzige Rezension. Ich habe über 100 Auftritte gemacht, und auf einmal haben die Zeitungen über ihn berichtet.

Findet Gernhardts Krankheit, über die er ja selber auch geschrieben hat, bei Ihnen Niederschlag?

Görner: Nein. Ich will Leuten, die Gernhardt nicht so gut kennen, zeigen, dass es schön ist, sich mit ihm zu beschäftigen. Damals haben die Leute zum Teil den Saal verlassen, als ich anfing mit: "Lieber Gott nimm es hin, dass ich was Besonderes bin."

Es gibt die Verwandtschaft zwischen Heine und Gernhardt. Wo stehen Sie in diesem Verhältnis?

Görner: Ohne Heine wäre Robert Gernhardt gar nicht möglich gewesen. Er war es, der den Witz und die Ironie in die deutsche Sprache eingeführt hat. Gernhardt hat sich aber eher noch in der Busch-Linie gesehen. Der Zufall hat es ja gewollt, dass beide am 13. Dezember Geburtstag haben. Deshalb mache ich diese Tour - zum 70. Geburtstag von Gernhardt und 210. von Heine.

Sie waren länger nicht auf der Bühne. Hat es Ihnen gefehlt?

Vita Lutz Görner wurde am 1. Januar 1945 geboren. Mitte der 70er Jahre begann er mit einem Heine-Programm seine Karriere als Rezitator. Von 1992 bis 1999 leitete er in Köln sein eigenes Reziteater. Heute lebt er mit seiner Familie in Weimar.

Programm: Görner gastiert mit seinem Gernhardt-Programm morgen, am Samstag und vom Mittwoch, 3. Oktober, bis Sonntag, 7. Oktober, jeweils um 20 Uhr im Savoy Theater, Graf-Adolf-Straße 47. Karten: Telefon 0211/32 91 91.

www.savoy-theater.de