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Gefangen in der Computerwelt

Gefangen in der Computerwelt

Als modernes Fantasy-Stück für junge Zuschauer feiert „Robin Hood“ nun auch Premiere in Düsseldorf.

Düsseldorf. Finsternis im Wohnzimmer, ein blendender Blitz, und schon steht Robin Hood im grünen Bogenschützen-Ornat und einem kecken "Hallöchen!" auf den Lippen in der guten Stube einer Familie unseres Computer-Zeitalters. Der stets von seinen Eltern genervte Sohnemann Daniel (Michael Pflumm) hatte gerade bei seinem Lieblingsspiel "Robin Hood" schicksalhafte Tastenkombinationen eingegeben und damit die virtuelle Welt in den Alltag geholt. Mutter und Vater versuchen panisch, die Sache rückgängig zu machen, und nach hektischem Tippen auf der Computertastatur ist Sohn Daniel, begleitet von abermaligem Nachtblitz, wie vom Erdboden verschluckt.

Nach der Duisburger Premiere im November dieses Jahres ist die für Kinder gemachte Abenteuer-Oper "Robin Hood" von Frank Schwemmer (Komposition) und Michael Frowin (Libretto) auch im Düsseldorfer Haus zu erleben. Wer nun eine kindgerechte Musik erwartet, wird vielleicht etwas erschrocken sein über die atonalen Klänge, die die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Wen-Pin Chien im Orchestergraben erzeugen. Auch die Gesangspartien erinnern mehr an Hans Werner Henze als an Engelbert Humperdinck. Von romantischer Märchenoper ist hier keine Spur.

Allerdings reißt die musikalische Substanz auch nicht gerade mit. Die Themen und Motive wiederholen sich häufig, und das ermüdet. Die fantasievolle Inszenierung mit den farbigen Bühnenbildern und knalligen Kostümen reißt aber vieles wieder raus. Auch die Sänger zeigen viel Sinn fürs Groteske. Beispielsweise bewegt sich die hübsche Maid Mary-Ann (Romana Noack) wie eine Computerfigur mit einem bewusst eingegrenzten Set an Gesten. Mit Leben erfüllen auch die Darsteller der Figuren Robin Hood (Simeon Esper), Prinz John (Manfred Fink), Sheriff (Günes Gürle) und Berater Harry (Thomas Winter) ihre Partien.

In der virtuellen Gefangenschaft erleben Daniel und noch eine ganze Schar von anderen dem Computerspiel zum Opfer gefallener Kinder das bekannte Sherwood-Abenteuer. Dabei verwickeln sie sich immer tiefer in der Handlung und landen schließlich im Kerker des Prinzen John, der in der Abwesenheit seines königlichen Bruders Richard Löwenherz die Macht ergreift.

In Anbetracht der recht schwierigen atonalen Partitur gebührt dem Düsseldorfer Mädchen- und Jungenchor (Einstudierung: Justine Wanat) ein besonderes Lob für die souveräne Leistung. Überraschend ist auch die Ruhe und Konzentration des sehr jungen Publikums während der musikalisch fordernden Aufführung. Zum Schluss gab es jubelnden Beifall und Rufe nach Zugaben.