Galerierundgang: Die Schönheit des fremden Gesichts

Galerierundgang: Die Schönheit des fremden Gesichts

Neue Orte für die Kunst und unalltägliche Werke der Avantgarde sind zurzeit in den Kunsthandlungen zu entdecken.

Düsseldorf. Die Schwedin Sofia Hulten hat sich für ihre Ausstellung bei Fischer im Internet eine ganze Autowerkstatt gekauft, um etwa die alten Wagenheber aufeinanderzustapeln und ihre eigene endlose Säule frei nach dem berühmten ungarischen Bildhauer Brancusi zu erzeugen. Am einprägsamsten sind ihre Scherengitter vom Schrottplatz. Hintereinander aufgereiht glossiert sie mit ihren Rost- und Lackspuren die keimfreie Minimal Art ihrer geistigen Väter. Sie arbeitet streng und konstruktiv, aber mit leichtem Lächeln.

Infos: Platanenstraße 7, bis 29. 10; www.konradfischergalerie.de

Der Düsseldorfer Stefan Kürten pflegt auf goldenen oder silbernen Untergründen zu arbeiten. Dadurch erzeugt er eine flirrende Oberfläche, die sich je nach dem Standort des Betrachters ändert. Als Motive wählt er gern 50er-Jahre-Bauten wie das Eingangsportal des Malkastens. Im Park des Künstlervereins beobachtet er das Spiel von Licht und Schatten, Ornament und Natur. Kürten liebt Details, den Zaun mit steinernen Pfosten oder mit Baumkulisse, den Fertigbau mit Teich, die altmodischen Lampen, die morbide Schönheit von Seerosen oder Rittersporn. Seine zauberhaften Tuschen und Acrylbilder nennt er „Gesang der Geister über den Wassern“.

Infos: Flurstraße 57, bis 21. 10.; www.cosarhmt.com

Die Düsseldorferin Andrea Lehmann erschließt obskure Orte, wo Realität und Fiktion miteinander verschmelzen. Ihre akribisch gemalten Szenen ereignen sich in rätselhaften Zwischenzonen und handeln von legendären Personen in nicht ganz eindeutigen Situationen. Ob Waldschrat mit Bart, Mönch im Nachthemd oder Schwangere im Sessel, der Künstlerin geht es um mystische Dinge in leichter Übersteigerung. Aus der schwarzen Plane eines Karrens glotzt ein monströses Tier, während der junge Wagenlenker ins Nirgendwo stiert. Oder die Künstlerin sitzt am hölzernen Schreibtisch, weiße Blätter und ein altmodisches Telefon vor sich und wartet auf den Anruf des Außerirdischen. Auf mehreren, meterlangen Papierbahnen setzt sie gespenstische Vögel, komische Bartträger und entgeisterte Frauen in Szene.

Infos: Herderstr.20, bis 29. 10.; www.anna-klinkhammer.de

Der Düsseldorfer Christoph Schellberg fand zufällig ein Schwarz-Weiß-Foto der dänischen Schauspielerin Annette Stroyberg, die kurz mit dem Ex-Mann der Brigitte Bardot, Roger Vadim, verheiratet war. Der Maler war fasziniert von der Schönheit des Motivs, zog das Bild auf eine Folie auf, machte eine Vorzeichnung und arbeitete dann das Gesicht illusionistisch aus, aber mit verschiedenfarbigen Augen und farbigen Lichtblitzen. Nun wirkt die Stroyberg real und hyperreal zugleich, überspitzt und illusionistisch. Auch die Skandalnudel des Britrock, Pete Doherty, wird zum Motiv. Hier hält Schellberg ein schlafendes, stilles, androgynes Gesicht fest.

Infos: Birkenstraße 43, 18.10. bis 18.11.; www.linnluehn.com

Der Kölner Konzeptkünstler Jan Paul Evers ist ein Fan der Dunkelkammer. Dort verfremdet er die selbst geschossenen, gefundenen oder vom Bildschirm abfotografierten Aufnahmen, deckt sie mit Schablonen ab oder variiert die Belichtungszeiten. Er bündelt oder streut das Licht, betont oder verwischt Formen, erzeugt Schraffuren, Linien oder Lichtschatten, konstruiert neue Sichtachsen oder Räume. Das Ergebnis sind völlig neue Bilder, die fast schon unberührbar wirken, so zart, so zerbrechlich, so fremd wirken sie.

Infos: Worringer Str. 57, bis 6. 11.M; www.maxmayer.net

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