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Friedensforscher Hippler: „Krieg spiegelt sich in Kindergesichtern“

Friedensforscher Hippler: „Krieg spiegelt sich in Kindergesichtern“

Der Friedensforscher und Fotograf Jochen Hippler sitzt am Donnerstag im Bildungsforum der ASG auf dem Podium. Wir sprachen mit ihm.

Düsseldorf. Friedensforscher Jochen Hippler arbeitet am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen. Am 19. März nimmt er an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Krieg ohne Ende“ im ASG Bildungsforum teil. Jochen Hippler hat verschiedene Krisengebiete, wie den Irak oder Afghanistan bereist und schwebte auf seinen Reisen schon selbst in Lebensgefahr. Im Gepäck hatte Hippler immer auch seine Kamera. Die WZ sprach mit ihm über die Endlichkeit von Kriegen und die Macht der Fotografie.

Friedensforscher Hippler: „Krieg spiegelt sich in Kindergesichtern“
Foto: Jochen Hippler

Herr Hippler, einen „Krieg ohne Ende“, gibt es den?

Friedensforscher Hippler: „Krieg spiegelt sich in Kindergesichtern“
Foto: Jochen Hippler

Hippler: Nein. Selbst der 100-jährige Krieg war ja irgendwann zu Ende. Deshalb geht es eher um die Frage, wie sich Kriege vermeiden oder verkürzen lassen. Da es aber sehr unterschiedliche Konflikte gibt — von zwei Gruppen, die sich um Weiderechte streiten bis hin zum Atomkrieg — können die Lösungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich sein.

Friedensforscher Hippler: „Krieg spiegelt sich in Kindergesichtern“
Foto: Jochen Hippler

Wie hätte sich Ihrer Meinung nach denn zum Beispiel der Vormarsch des Islamischen Staates verhindern lassen?

Hippler: Der IS ist nicht so bedeutend, weil er so stark ist, sondern weil die Staaten der Region so schwach und unbeliebt sind. Als die IS-Truppen im Irak einmarschiert sind, standen ihren weniger als 5000 Kämpfern dort mehr als 50 000 Soldaten gegenüber. Die haben ihr Land aber nicht verteidigt, sondern sind in Panik geflohen. Das Problem war, dass große Teile des irakischen Volkes den eigenen Staat für schlechter hielten als den IS. Um Zeit zu gewinnen, kann Gewaltanwendung jetzt sinnvoll sein. Doch diese Zeit muss auch genutzt werden, um das politische Vakuum zu füllen, das den IS groß gemacht hat. Sonst ist das militärische Vorgehen sinnlos.

Von Ihren Reisen nach Afghanistan, in den Irak oder nach Pakistan haben Sie zahlreiche Fotos mitgebracht, darunter auch viele Porträts. Was fasziniert Sie so an den Menschen dort?

Hippler: Dass ich, obwohl ich für die Menschen dort ein Fremder bin, immer gastfreundlich aufgenommen worden bin. Außerdem ist vielen Gesichtern anzusehen, dass sie es nicht leicht haben. Bei meinen ersten Reisen nach Pakistan und Afghanistan habe ich auf beiden Seiten der Grenze fotografiert. Wenn Sie auf Fotos dieser Zeit die Kinder aus Afghanistan und aus Pakistans vergleichen, spiegelt sich bei den afghanischen Kindern der Krieg in den Gesichtern, die pakistanischen wirken noch viel kindlicher und verspielter. Viele Leute sind außerdem unheimlich versessen darauf, fotografiert zu werden. Gerade in Pakistan kann es vorkommen, dass ich Stunden brauche, um durch eine Straße im Basar zu gehen, weil mich dauern jemand am Ärmel zupft, damit ich ihn fotografiere.

Sie haben auf Ihren Reisen tausende von Fotos gemacht. Welches ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Hippler: Eines, das ich in Afghanistan gemacht habe. Ich war vor Ort, als bei einem Raketeneinschlag 22 Menschen in den Tod gerissen und noch einmal so viele verletzt wurden. Ein junger Mann kam auf mich zu. Er hielt mir die abgerissene Hand seiner Mutter entgegen. Er hat mich gezwungen, sie zu fotografieren und geschrien, dass die ganze Welt sehen soll, was in Afghanistan passiert.

Hatten Sie selbst nie Angst um Ihr Leben?

Hippler: Doch, natürlich, aber ich bin nicht besonders furchtsam. Wenn man sich mit politischer Gewalt und Krieg beschäftigt und dies nicht nur vom Schreibtisch aus, geht man das Risiko ein, selbst Gewalt zu erleben. Das Wichtigste ist, Gefahren einschätzen zu können und unnötige Risiken zu vermeiden. Und einen kühlen Kopf zu bewahren.

Einen Teil Ihrer Bilder haben Sie im Internet veröffentlicht. Außerdem führen Sie noch einen Blog, in dem sie die aktuelle politische Entwicklung kommentieren, wie kam es dazu?

Hippler: Als ich die Homepage mit den Bildern angelegt habe, habe ich zufällig die Blog-Funktion entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich außerdem sehr über Pegida geärgert und mir gedacht, ich nutze die Funktion, um meinem Ärger Luft zu machen.

In Düsseldorf demonstriert jeden Montag der Pegida-Ableger Dügida. Wie lange kann sich Dügida Ihrer Meinung nach noch halten?

Hippler: Ich denke, dass Dügida in Düsseldorf bald weg vom Fenster ist, die Stimmung, die dahinter steckt, aber leider noch lange nicht.