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Fotografen an der Frontlinie

Fotografen an der Frontlinie

Das NRW-Forum zeigt Bilder aus Kriegsgebieten.

Düsseldorf. Die Bilder kennt jeder: Menschen in Kriegsgebieten schicken Foto via Internet in die Welt, die ein Bekenntnis dokumentieren. Sie sagen: Schaut her, es fehlt uns Hoffnung und Freiheit. Diese individuellen Bekundungen haben mit der „Krisenfotografie“ ein Pendant in der Kunst. Sie steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Frontline“, die am 24. September im NRW-Forum eröffnet wird. 200 Fotos der Agentur Magnum werden dort bis zum 8. Januar zu sehen sein. Sie stammen von neun Fotografen und spannen den Bogen vom Spanischen Bürgerkrieg und Zweiten Weltkrieg bis zu den Rebellionen heute in Tunesien, Ägypten und Libyen. „Wir wollten schon lange eine solche Ausstellung machen und der Macht nachgehen, die von solchen Kriegsbildern ausgeht“, sagt der Chef des NRW-Forums, Werner Lippert.

Während die erste Generation der Magnum-Fotografen um Agentur-Gründer Robert Capa und Henri Cartier-Bresson die Tragödien des Zweiten Weltkriegs in eine Ästhetik einfror, um Mahnmale zu erschaffen, verzichten die Bilder von Thomas Dworzak und Moises Saman — aktuell für Magnum im arabischen Raum und im Kaukasus tätig — scheinbar auf jede künstlerische Distanz.

„Thomas Dworzak und seine Kollegen begeben sich mitten hinein ins Geschehen“, sagt Lippert. Sie rücken mit ihren Kameras so nah an die Menschen heran, dass man meinen könnte, diese selbst hätten dem Fotografen die beste Perspektive für seine Aufnahme gezeigt. „Sie sind in ihrer Bildsprache viel deutlicher als ihre Vorgänger“, sagt Lippert.

Das mag auch daran liegen, dass sich direkt vor ihren Augen täglich derselbe Film abspielt: Tausende Handys fotografieren die Auseinandersetzungen in den arabischen Staaten. Ihre zumeist jungen Besitzer knipsen und bloggen sich den Frust von der Seele und haben dabei nicht im Sinn, Zeitzeugnisse zu fertigen. Sie sind vielmehr Teil der Krise und liefern mit ihren schlecht gemachten Fotos den wohl persönlichsten Beitrag im professionellen Nachrichtengeschäft.

Vor diesem Hintergrund hat sich Werner Lippert schon oft die Frage gestellt, ob ihm die Fotos vom Zweiten Weltkrieg deswegen so ästhetisierend vorkommen, weil das Ereignis so weit weg und lange her ist. Darüber will er mit Moises Saman diskutieren, der zur Eröffnung der Fotoschau in Düsseldorf erwartet wird. Lippert hofft, dass der Fotograf ebenso auskunftsfreudig ist wie sein Kollege Dworzak, den Lippert bereits in Paris getroffen hat. „Er hat viel geredet. Ich hatte den Eindruck, dass er loswerden wollte, was er erlebt hat.“