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Forschung: Goethe in der CT-Röhre

Forschung: Goethe in der CT-Röhre

Dank neuer Technik haben Wissenschaftler den Kopf des Dichters exakt vermessen.

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p class="text">Düsseldorf. Ein 200 Jahre altes Rätsel der Goethe-Forschung hat sich nun geklärt, dank der Bemühungen des Goethe-Museums Düsseldorf und Mönchengladbacher Wissenschaftler. Gemeinsam schickten sie den Dichter bzw. seine Lebendmaske und eine Büste in den Computertomographen und stellten fest, dass die Ausmaße übereinstimmen. Das bedeutet: Es gab immer nur eine Lebendmaske von Goethe. Seit zwei Jahrhunderten beschäftigt nämlich diese Frage die Goethe-Forschung. Literarische Hinweise deuteten darauf hin, dass es 1816 einen weiteren Abdruck gegeben habe. Goethes Gesicht voller Gipsmasse: Das kann man sich bei dem eigenwilligen Dichter nur schwer vorstellen. Und trotzdem hat es eben diese eine Sitzung gegeben. 1807 ließ sich der Schöpfer des "Faust" auf Wunsch des Hirnforschers F.J. Gall die Maske abnehmen. Bildhauer Carl Gottlob Weißer (1780-1815) schuf basierend auf diesen Abdruck seine Büste, die dank der Sammlung Kippenberg im Goethe-Museum zu sehen ist. "So kann die Büste von Weißer als lebendiges Bild von Goethe in seinen mittleren Jahren gelten", sagt Michael Hertl, Experte für Totenmasken und Physiognomik sowie langjähriger Leiter einer Kinderklinik in Mönchengladbach.

Kopien der Büste von Christian Daniel Rauch gibt es in der ganze Welt

Goethe selbst war mit dieser Büste nicht so zufrieden, erläutert Volkmar Hansen, Leiter des Goethe-Museums. "Sie zeigt ihn nicht so freundlich mit leicht gerunzelter Stirn, was wahrscheinlich an der anstrengenden Situation der Entstehung der Maske liegt." Die Weißer-Büste diente wiederum als Vorlage für die Marmor-Büste von Christian Daniel Rauch, die es in Kopien überall auf der Welt gibt und die das Bild Goethes maßgeblich prägt.