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Förderpreis NRW: Ein Zelt im Kloster – und keiner darf rein

Förderpreis NRW: Ein Zelt im Kloster – und keiner darf rein

Seb Koberstädt liebt unkonventionelle Formen. Derzeit inszeniert er Kunst aus Bierflaschen in Aachen.

Düsseldorf. Seb Koberstädt baute 2005 im Malkastenpark ein Podium über die Düssel, setzte darauf ein Iglu und ließ die Besucher durch eine viel zu kleine Luke kriechen und sich wie auf einem Abenteuerspielplatz benehmen. Ähnlich fühlen sich die Gäste in der alten Reichsabtei Kornelimünster. Unter der barocken Decke des denkmalgeschützten Benediktinerklosters hat der diesjährige Förderpreisträger des Landes NRW abermals eine Art Zelt aufgebaut, diesmal lässt er niemanden rein.

Der ehemalige Student von Tony Cragg und Meisterschüler von Hubert Kiecol liebt unkonventionelle, von subkulturellen Strukturen inspirierte Formen. Im Kunstraum München warf er über einen rechteckigen Körper eine Decke aus lackiertem, rosarotem Papier und schuf eine schweinchenrote Gebirgslandschaft, die sich trotz ihres provisorischen Papiercharakters behauptete. Stets bevorzugt er Aufbauten, die vergänglich sind.

Diesmal zeigt er sich selbst, nicht als romantischen Künstler, sondern als Taxidriver mit Irokesenschnitt und nackter Brust. Sein Konterfei habe er bei einer Wette aufgenommen, im Tausch gegen ein T-Shirt. Dieses Irokesen-Porträt hat er multipliziert, aufgeklebt und wechselweise in rotem und grünem Lack fixiert. Unter dem Foto-Tuch befindet sich eine Dreifuß-Konstruktion, die das übergeworfene Tuch zum Zelt macht. Zum Spannen der Zelt-Form benutzt er gefüllte Bierflaschen und bietet den Leuten an, davon zu trinken, was sie aus lauter Respekt nicht tun. Die "Architektur" ist bei Koberstädt schlüssig und zufällig zugleich. Sie ließe sich auch im Straßenraum ansiedeln, wie die Rollerskate-Form unter dem Titel "Wie jetzt" (2007). Nur weil der Boden leiden würde, darf sich im Museum niemand austoben.

Koberstädt wehrt sich gegen die hehre, festgemauerte Kunst. Er baut ein halbes Hirschgeweih, auf dem eine große, graue Kerze mit durchgezogenem Docht balanciert. Passend zur Kerze lautet der doppeldeutige, leicht komische Titel: "Wenn mir die Seele brennt". Es gibt dann noch einen Kasten aus Spanplatten, der mit schwarzem Hammerschlaglack überzogen und mit Linsenkopfschrauben dekoriert ist. Der scheinbar wertvolle Kasten liegt auf einem abgezogenen Wildschweinfell.

Aachen-Kornelimünster, Abteigarten 6, bis 2. 9. , di + mi 10 - 13 und 15 - 17, sa + so 15 - 18 Uhr