Florian Jahr: Mehr als nur ein schönes Gesicht

Florian Jahr: Mehr als nur ein schönes Gesicht

Florian Jahr spielte in Daily Soaps, nun steht er als Figaro im Schauspielhaus auf der Bühne.

Düsseldorf. „Theater ist spannender als Film und Fernsehen. In der Arbeit mit Regisseuren finde ich etwas auch über mich heraus, was ich nicht kenne.“ Bei Florian Jahr klingen diese Worte echt, fast wie ein Bekenntnis.

Denn der 28-jährige Schauspieler, seit einigen Monaten im Ensemble des Schauspielhauses, startete bereits als 16-Jähriger eine steile Fernsehkarriere, hatte früher als die meisten Geld und ein bekanntes Gesicht. Noch während der Schulzeit stand er in 40 Sendungen der Daily Soap „Unter uns“ vor der Kamera, in Tatort-Folgen und in zahlreichen 90-Minuten-Filmen.

Trotz des frühen Erfolges absolvierte er eine Ausbildung an der Berliner Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst, lernte Singen und Tanzen. Wie gut er das kann, will er am 30. Dezember im Kleinen Haus beweisen. Florian Jahr spielt und singt die Titelpartie in der Theater-Fassung von Mozarts Oper „Figaros Hochzeit“.

Dichte, gewellte Haare, romantisch verklärte Augen, sportliche Figur. Ob in engen Jeans und Lederjacke, oder in Frack, mit Pelzkragen und Pelzmütze — Florian Jahr sieht blendend aus. Das machte ihn früh zum Mädchenschwarm, aber auch für TV-Regisseure zum Idealtyp des netten jungen Mannes. „Ich war prädestiniert für Rollen, die nichts Aufregendes haben.“

Das flächige Bild, die gute Mattscheiben-Wirkung und das schnelle Geld, das er beim Fernsehen verdiente, reichten ihm aber nicht. Denn schon als Pennäler galt er als Exot, hatte wenig mit Fußball im Sinn, spielte in einer Theater-AG abendfüllende Klassiker. Dort lernte er zu kämpfen, sich infrage zu stellen. Deshalb bestand er wohl auf Anhieb die Aufnahme-Prüfung der Ernst-Busch-Schule, die bundesweit als Talentschmiede gilt.

Der Ingenieurssohn wurde in Ost-Berlin geboren und wuchs im schleswig-holsteinischen Rendsburg auf — eine klassische Nachwende-Biografie. So nahm Jahr sein erstes Engagement 2008 am Weimarer Nationaltheater an, bevor er das Angebot aus Düsseldorf bekam. Der internationale Ansatz von Staffan Holm reizte ihn.

„Es ist für uns alle ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt er. Das Rheinland kannte er vorher nur von seinen Drehterminen in Köln und suchte sich im Sommer dann eine Wohnung in Flingern. Die Nähe zum Theater war ausschlaggebend, wie auch die Atmosphäre mit Kneipen und Cafés, wie dem Café Hüftgold. „All das erinnert mich an Berliner Kieze.“

Was ihn an dem Figaro reizt? Der Text von Mozarts Librettist Da Ponte erzähle eine sehr farbige und tiefgründige Geschichte. Der Figaro leidet an den Zwängen der Stände-Gesellschaft und arbeitet sich an dem Grafen Almaviva ab. Er sei zwar mit ihm befreundet, aber nicht ebenbürtig. „Sobald der Graf ein Auge auf Figaros Frau wirft, zieht er die Trumpfkarte aus dem Ärmel: den Standesunterschied.“

Wie er darunter leidet, zeige sich in der Arie „Will der Graf ein Tänzchen wagen?“ Warum muss er das denn singen? Florian Jahr: „Manchmal reichen Worte nicht aus.“ Man darf gespannt sein, wie Jahrs Bariton bei der Premiere ankommt.

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