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Oper und Mode: Flatterhafte Fledermaus: (K)ein Dresscode in der Oper

Oper und Mode : Flatterhafte Fledermaus: (K)ein Dresscode in der Oper

Unsere Autorin hat sich bei der Düsseldorfer Premiere umgesehen. Zum CPD mal aus modischer Perspektive.

Mode-Wochenende in Düsseldorf. Spektakuläre Fashion Shows gibt es leider nicht mehr, stattdessen intensive Ordertage. Aber Mode ist nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein hautnaher Kulturfaktor, und der findet überall seine Bühne.

Zum Beispiel in der Deutschen Oper am Rhein zur Düsseldorfer Premiere der Fledermaus von Johann Strauss (Sohn), die bereits vor einem guten Jahr in Duisburg (die WZ berichtete) über die bunte Bühne ging. Ganz große Operette, nicht nur ein Ohren-, auch ein Augenschmaus, und nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Foyer und auf den geschwungenen Treppen.

Regisseur Axel Köhler hatte bereits im Werkstattgespräch betont, dass es vom Bild her ein schrilles Revival der 80-er Jahre sein würde. Mit Augenzwinkern natürlich: „Geschmacklos schön“.

Und da spielt das Premierenpublikum wohl gerne mit, greift seinerseits beherzt in die Mottenkiste der Mode, egal ob bewusst oder unfreiwillig. Neonfarben, Puffärmel, Schulterpolster, die, so sagen Profashionals, immer dann angesagt sind, wenn Wirtschaftseinbrüche zu (er)tragen sind, ebenso wie die Rocksäume mit den Börsenkursen hoch oder runter rutschen, oder unentschlossen in Zipfeln ums Knie spielen – flatterhafte Fledermaus.

Auf der Bühne haben ultrakurze Glitzer-Minis Hochkonjunktur. Kostümbildner Frank Philipp Schlößmann hat sie dem Ballett verpasst. Ganz ähnliche Modelle funkeln im Foyer. Auch Adeles pralle schwarze Lack-Leggings schimmern nicht nur im farbwechselnden Licht zigtausend LED-Lämpchen, virtuos dirigiert von Licht-Meister Volker Weinhart, sie lehnen in den Pausen auch passend an der Säule. Bühnenreif auch die von Kopf bis Fuß elegant gestylte Dame, deren Schuhwerk das Muster von Klaviertasten wiederholt.

Einen Dress-Code gibt’s ja heute nicht (mehr). Plüsch und Pleureusen sind ebenso out wie Frack oder Smoking. Eine solch strahlende Robe wie sie Anke Krabbe als Rosalinde trägt, kann man eben nur noch auf der Bühne bewundern. Mehr als die Hälfte des Publikums erscheint heutzutage eher schlicht in Alltagskleidung zur Premiere. Man(n) trägt den Anzug, den er auch zur Hochzeit, Taufe oder Beerdigung rausholt (Bitte vorher auslüften!). Die Damen peppen ihren wertigen Hosenanzug mit Familienschmuck auf oder schlüpfen ins Etuikleid.

Zur Statisterie im Publikum gehört dabei verlässlich der einzelne Spät-Hippie mit Kapuzenpulli und Pferdeschwanz. Manche Männer empfinden sich offenbar als cool, wenn sie selbst im strengen Winter die Socken weglassen oder zum Business-Anzug brikettförmige Sneakers tragen – nicht selten im Kontrast zu ihren schicken Begleiterinnen. Dann schon lieber nachtblaue Jeans zu einem zwar scharf geschnittenen Jackett, wie es der junge Mann gemacht hat, um neben seiner entzückenden Begleiterin im wippenden weißen Cocktail-Kleid bestehen könnte. Stil ist eben nicht das Ende des Besens und kommt nicht aus der Mode. Operette ja wohl auch nicht.