Filmkunstkinos: „Wir stehen wieder bei null“

Filmkunstkinos: „Wir stehen wieder bei null“

Düsseldorf. Kalle Somnitz und Udo Heimansberg haben die Düsseldorfer Filmkunstkinos für 600 000 Euro digitalisiert. Sie setzen auf Qualität und ihr Stammpublikum.

Herr Somnitz, Herr Heimansberg, was ist Ihren Zuschauern wichtig?

Somnitz: Die meisten kommen und fragen: „Ist es bei Ihnen auch so laut wie in den Plexen?“ Bei uns will niemand 50 Boxen im Saal.

Welche Filme liebt das Düsseldorfer Publikum?

Somnitz: Ich denke erst einmal an die Filme und nicht ans Publikum. Und da zählt Qualität. So verstehen wir unseren Auftrag: Wir möchten für Qualitätsfilme ein Publikum finden.

Keine Kompromisse?

Somnitz: Natürlich gibt es auch mal Seichteres. Aber wenn die dann besser laufen als die anderen, ärgere ich mich. Ich langweile mich im Kino, wenn ich einen unproblematischen Film sehe, der mich nur unterhalten will.

Was ist schlecht an Unterhaltung?

Somnitz: Ich kann gut damit leben, dass wir Multiplexe haben. Ich gucke mir da selber gerne mal „Star Wars“ an. Wir würden den aber eben nicht zeigen.

Sie haben viel Geld in Technik investiert.

Somnitz: Wir waren mit dem Atelier die ersten in Düsseldorf, die 3D angeboten haben. Wir schließen jetzt unsere Digitalisierung ab und haben die gleiche Technik wie in den Multiplexen.

Sie besetzen die Filmkunstsparte. Wie vertragen Sie sich mit den Multiplexen in Düsseldorf?

Heimansberg: Die sind ja irgendwann auf unseren Zug aufgesprungen. Sie haben nämlich festgestellt, mit Filmkunst kann man auch Geld verdienen.

Ist der Markt zu klein?

Somnitz: Drei Plexe in Düsseldorf sind einfach zu viele. Deshalb zeigen die eben auch Filmkunst. Was uns ärgert, weil damit das Angebot verwässert wird.

Und wie rechnet sich das bei Ihnen?

Somnitz: Das werden wir sehen. Wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren 600 000 Euro investiert. Davon bekommen wir von den Filmstiftungen 200 000 Euro zurück. Nach der Digitalisierung sind wir bei null.

Stehen Ihre Kinos jeweils für ein bestimmtes Programm?

Somnitz: Wir versuchen, ihnen ein bestimmtes Image zuzuordnen. Im Atelier hat sich das etwa durch die Opernübertragung in Richtung Musik verändert. Das hängt natürlich auch von den technischen Möglichkeiten ab, so kann „The Great Gatsby“ nur im Atelier laufen, weil wir nur dort 3D zeigen können.

Und die anderen?

Somnitz: Wir haben ein Stammpublikum in den einzelnen Kinos, das wissen will, wann die Filme zum Beispiel ins Metropol kommen. Oder Souterrain-Zuschauer, die sagen: „Ich fahre doch nicht nach Bilk.“

Sie übertragen Opern ins Kino, laden Regisseure und Schauspieler zu Filmpremieren. Bringt Ihnen das Zuschauer?

Heimansberg: Die Opernleute sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Die kommen so eben auch mal ins Kino.

Somnitz: Für uns ist das sehr wichtig. Wir haben kein Geld, um die Welt mit Anzeigen zu pflastern. Wenn Regisseure und Schauspieler kommen, dann wird das gerne angenommen. Sobald das Eis beim Gespräch gebrochen ist, sprudelt das nur noch. Martina Gedeck meinte vor kurzem: „Wo haben Sie dieses tolle Publikum her?“

Wie haben sich Ihre Zuschauerzahlen entwickelt?

Somnitz: Wir sind ziemlich verwöhnt und hatten bis vor zwei Jahren immer nur Zuwächse. Wir haben 1997 mit 30 000 Zuschauern angefangen und hatten 2011 unseren Höhepunkt mit 200 000. Diese Zahl würde ich gerne halten.

Wie sieht es aktuell aus?

Heimansberg: Uns fehlt in diesem Jahr noch so ein Film wie „Ziemlich beste Freunde“.

Was machen Sie beiden eigentlich, wenn Sie ausnahmsweise einmal nicht im Kino sind?

Somnitz: Ich bin leider freizeitunfähig geworden.

Heimansberg: Für diesen Zweck habe ich mir zu Hause ein schönes Kino gebaut, dann gucke ich mir die Filme an, die ich verpasst habe.

Somnitz: Ich behaupte, du guckst jede Woche „Ben Hur“.

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