Film: Wie ein Düsseldorfer Deutschschüler aus dem Ausland porträtiert

Film : Eine Klasse, ein Fach: Deutsch

Der Film des Düsseldorfers Florian Heinzen-Ziob gibt Einblick in einen speziellen Schulalltag.

Zwei Jahre hat Lehrerin Ute Vecchio maximal Zeit, um Kinder aus dem Ausland ohne Sprachkenntnisse auf das deutsche Schulsystem vorzubereiten. Vier dieser Kinder stehen im Mittelpunkt von Florian Heinzen-Ziobs Dokumentarfilm „Klasse Deutsch“, den der in Düsseldorf aufgewachsene Regisseur, am 13. Mai im Metropol-Kino vorstellt. Ein halbes Jahr lang hat der 34-jährige vier Schüler durch Höhen und Tiefen des Lernalltags begleitet, Dafür musste er erst einmal eine Vertrauensbasis schaffen, wie Florian Heinzen-Ziob im nachstehenden Gespräch verrät:

Wie sind Sie auf dieses Schulprojekt gekommen?

Florian Heinzen-Ziob: Zufällig. Ich habe in der Kölner Henry-Ford-Realschule Filmkurse gegeben. Im Klassenraum hing ein Stundenplan an der Wand, in dem von montags bis freitags, in der ersten bis zur fünften Stunde nur Deutsch eingetragen war. Irgendwann habe ich dann doch mal gefragt, was es mit diesem sadistischen Stundenplan auf sich hat. Die Antwort war: Das ist die „Klasse Deutsch“. Anlaufstelle für Kinder, die neu nach Deutschland gekommen sind und von Ute Vecchio auf das Schulsystem vorbereitet werden.

Das heißt, es wird nur Deutsch unterrichtet?

Heinzen-Ziob: Ja, die Kinder können meist kein Wort Deutsch und es gibt aufgrund der unterschiedlichen Herkunftsländer auch keine gemeinsame Sprache. Nach ein paar Monaten wachsen sie aber schon ins Deutsche hinein und können sich bereits untereinander verständigen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, in Schwarz-Weiß zu drehen?

Heinzen-Ziob: Schule ist visuell ein sehr unruhiger Ort. Da hängen bunte Poster an der Wand, die Tische sind hellgelb oder rot, die Kinder haben schreiende Farben an. Das alles springt einem förmlich ins Gesicht und lenkt unglaublich ab. Ich hatte einfach das Gefühl, ich müsste die Szenerie etwas beruhigen, damit man sich besser auf die Menschen fokussieren kann.

Wie offen waren denn Schule, Kinder und Eltern Ihrem Filmprojekt gegenüber?

Heinzen-Ziob: Die Offenheit von Seiten der Schule war sehr groß. Ich fand sie sogar sehr mutig. Ich bin nicht einfach hingefahren und habe die Kamera angemacht. Ich habe vorher ein paar Mal in der Klasse hospitiert und mitgearbeitet. Dann habe ich mit den Kindern einen Filmkurs gemacht, um ihnen zu zeigen, was es bedeutet, vor und hinter der Kamera zu sein. Dabei sind sehr schöne kurze Filme entstanden, die wir am letzten Schultag den Eltern gezeigt haben. So habe ich sie dann auch kennen gelernt. Es gab also einen langen Vorlauf, um Kontakte herzustellen und Vertrauen aufzubauen.

Wie haben Sie Ihr Vorhaben dann umgesetzt?

Heinzen-Ziob: Wir konnten wenig planen, weil immer wieder Kinder neu dazu kamen und andere gingen, zum Beispiel, weil sie abgeschoben wurden. So blieb uns nichts anderes übrig, als einfach da zu sein und nur das zu filmen, was im Klassenraum passierte. Der Deal mit Lehrerin Ute Vecchio war ganz klar: wenn wir den Unterricht stören, sind wir raus. Daraufhin haben wir uns als Team (Kameramann, Tonmann und ich), dezent zurückgehalten und fünf bis sechs Stunden sehr lange Einstellungen, manchmal ganze Unterrichtseinheiten, gedreht. So konnten wir diese besonderen Momente einfangen, die später im Film zu sehen sind.

Florian Heinzen-Ziob stellt am Montag „Klasse Deutsch“ im Metropol, Brunnenstraße, vor. Beginn: 19 Uhr. Offizieller Filmstart ist der 16. Mai.