1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

FFT: Einfach so sein, wie man ist

FFT: Einfach so sein, wie man ist

Im FFT zeigt Kabawil einen beeindruckenden Abend zum Thema Identität und Heimat.

Düsseldorf. Samuel Leutwein hat einen Traum. Der junge Namibier mit deutschem Urgroßvater möchte in Deutschland nach Verwandten suchen. Kaum ist er dort angekommen, brüllen ihm prompt 21 jugendliche Deutsche, deren Eltern aus Gambia, Ghana, Marokko oder Kongo stammen, die schönen Sätze entgegen: "Als Kolonialmacht haben wir in Namibia gemacht, was wir wollten. Wer ‚wir’? Wir Deutsche!" Präziser und absurder kann man die Frage nach Nationalität, Identität und Geschichte vielleicht nicht auf den Punkt bringen.

Die kleine Szene stammt aus dem mitreißenden Tanzabend "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" des Vereins Kabawil. Die Initiative realisiert seit Jahren Workshops und Tanzprojekte mit Kindern und Jugendlichen aus Düsseldorfer Schulen. "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?", das in Kooperation mit dem FFT entstand, ist bereits die siebte große Produktion, die sich diesmal der Frage nach dem spannungsreichen Verhältnis von Heimat und Identität widmet.

Neben der Geschichte Samuel Leutweins (Xolani Mdluli), der ein Stationendrama entlang deutsch-rassistischen Beamtentums (Alexander Wipprecht in diversen Rollen) durchläuft, geht es vor allem um die Alltagsgeschichten der Jugendlichen. Geschichten, die die Frage nach Zugehörigkeit und Zuhause stellen. Dabei entstehen immer wieder schlagkräftige von dem virtuosen Streichquartett Kaj:Kaj untermalte Szenen, so wenn unter den anonymisierenden weißen Masken plötzlich die Gesichter der Jugendlichen in all ihren Unterschieden sichtbar werden.

Oder wenn ein schwarz-weißes Liebespaar von zwei antiken Chorblöcken mit Vorwürfen überschüttet wird (Regie: Renat Safiullin) und plötzlich beginnt, an seiner Liebe zu zweifeln. Oder eine junge Frau berichtet, wie sie in Deutschland als Schwarze und in Gambia als Deutsche behandelt wird.

Aufführung: 1 ½ Std., keine Pause, 9., 11., 12., 18. August, 19 Uhr, 10., 13., 14. August, 10 Uhr, FFT-Juta, Kasernenstr. 6, Karten unter Tel. 0211/876787-18