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Fazıl Say spielte in der Düsseldorfer Tonhalle

Konzert : Zwischen Mozart und Bartók mäandert die Seidenstraße

Fazıl Say und die Academy of St Martin in the Fields spielten in der Tonhalle – mit überraschend wenig Publikum.

Und plötzlich klingt der Flügel wie ein orientalisches Instrument, schnarrend, mäandernd mit melismatischen Girlanden in Tonarten, die für unser Ohr exotisch, fremd und doch irgendwie vertraut klingen. Der türkische Pianist Fazıl Say sitzt an einem immer wieder von ihm anders präpariertem Flügel, greift in den Korpus des Instrumentes, nutzt Effekte, die bisweilen gar nicht nach einem Klavier klingen, um Klänge entstehen zu lassen, die so klingen, als kämen sie direkt von der Seidenstraße.

„Silk Road“ aus 1994, sein zweites Klavierkonzert, holt die musikalische Aura von Tibet, Indien, Mesopotamien und schließlich Anatolien in die Tonhalle. Dabei zur Seite steht ihm das wunderbare Ensemble der Academy of St Martin in the Fields. Eine Musik entsteht, die zwar viele Spieltechniken aus dem Repertoire zeitgenössischer Musik heranzieht, letztendlich aber doch in seiner Machart mehr traditionell ist, den Spagat zwischen Gefälligkeit, innigem Ausdruck und Modernität sucht. Say ist hier ganz in seinem Element, genießt förmlich, seine Musiksprache über die Tonhalle fließen zu lassen. Unter alledem – ein hübscher Einfall – ein tiefer Ton gespielt im Kontrabass, ein Cis, das unentwegt monoton leise gespielt wird und die Verbindung der Seidenstraße symbolisieren soll.

Das jüngste Konzert in der Reihe „Faszination Klassik“ von Heinersdorff in der Tonhalle sparte wahrlich nicht mit bunten, ethnisch gefärbten Stimmungen. So erklang als finales Werk auch Béla Bartóks grandioses Divertimento für Streichorchester Sz. 113 aus dem Jahr 1939 – das trotz allem ungarischen Kolorit eigentlich ein klagevolles Zurückblicken auf eine verlorengehende Ursprünglichkeit und eine tief schmerzliche Vorahnung an den damals bevorstehenden Krieg ist. Das Stück verlangt übrigens wahre Prímás-Qualitäten von allen Musikern, insbesondere dem ersten Geiger, der im letzten Satz bisweilen einen waschechten Zigeunergeiger geben muss. Übrigens – der Begriff Zigeunergeiger wird von diesen selbst verwendet, wie der Autor dieser Zeilen aus erster Quelle berichten kann und ist absolut unverdächtig. Erster Geiger und Leiter der Academy Tomo Keller, der das Orchester mit grandioser Spielkultur durch den Bartók lenkte – das gesamte Orchester erwies sich als ein perfekt kulturvolles Ensemble – hätte hier vielleicht sogar noch ein bisschen mehr aus sich herausgehen können. Dennoch eine Sternstunde kammermusikalisch atmender Streichermusik, die aber nicht die bisweilen nötige Schärfe aus dem Bartók geholt hatte.

Nach Michael Tippets „Little Musik“ – hier fühlte man sich ganz zuhause – erklang indes auch Mozarts Klavierkonzert KV 414 in A-Dur. Durchaus mit Esprit, riss einem die Interpretation nicht vom Hocker – obwohl Say viel Wert auf das Hineinfühlen in die Musik legte und technisch und interpretatorisch schönstes Niveau bot.

Was sehr verwunderte, dass das Konzert für die Verhältnisse des Konzertveranstalters sehr mau besucht war. Es gab viele Lücken, der Rang war verwaist. Will das Publikum immer großes Tam-Tam.