Konzertkritik: „Familientreffen“ in der Tonhalle begeistert Publikum

Konzertkritik : „Familientreffen“ in der Tonhalle begeistert Publikum

Rene Heinersdorff vertritt Christian Ehring kurzweilig in der Reihe „Ehring geht ins Konzert“.

Sonntagnachmittag, die Tonhalle ist fast bis auf den letzten Platz besetzt. Es ist wieder Zeit für die Reihe „Ehring geht ins Konzert“. Allerdings ohne Christian Ehring, der sich für ein Jahr eine Auszeit genommen hat. Die Vertretung übernehmen solange Kollegen. Diesmal moderiert René – „Robbie“ – Heinersdorff und weil für die musikalische Darbietung die Düsseldorfer Symphoniker (Düsys) am Start sind, steht der Nachmittag unter dem Motto „Familientreffen“.

Zum launigen Einstieg, plaudert Heinersdorff (noch ohne Orchester) gleich munter drauflos: „Wenn bei uns am Theater ein Mann alleine auf der Bühne steht, dann – da können Sie sich sein – ist irgendwas.“ Im Konzert sei das anders und zwar immer dann, wenn eine Ouvertüre gespielt werde, fährt der Regisseur und Spross der bekannten Düsseldorfer Veranstalter-Familie fort. „Für eine Ouvertüre hat das Orchester immer einen großen Auftritt“, erklärt der 56-jährige.

„Ehring geht ins Konzert“, diesmal mit René Heinersdorff. Foto: Susanne Diesner

Zur musikalischen Eröffnung steht ein gewisser Herr Schulz auf dem Programm. „Den kennen sie alle“, ist Heinersdorff überzeugt und wagt gleich augenzwinkernd eine namentliche Einordnung: „Ich meine nicht Martin Schulz, den viele wohl nicht mehr kennen und auch nicht Olaf Scholz, den die meisten seit gestern nicht mehr kennen wollen“. Der Schulz (Johann Abraham Peter), um den es gehe, hat so harmlose Lieder wie „Der Mond ist aufgegangen“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ komponiert. Aber der Mann konnte auch anders. Er schrieb die Musik zum Schauspiel „Athalia“, eine laut Heinersdorff „an Blutrünstigkeit kaum zu überbietende Geschichte von einer Adligen, die ihre ganze Familie dahinmetzeln ließ“. Einen Enkel hätte sie dabei übersehen. „Der hat sie dann später abgesetzt“, resümiert der Theatermann trocken. Auftritt Düsys. Deren Leiter, der Violinist Stephan Mai, bei vollem spielerischen wie körperlichen Einsatz, die Dramatik der Tragödie noch unterstrich.

Nach einem Ausflug ins Werk Felix Mendelssohn-Bartholdys „auf der Schwelle vom Barock in den Sturm und Drang“, so Heinersdorff, wurde es gefühlvoll oder wie es Intendant Michael Becker dem Moderator angekündigt haben soll: „fast schon an der Schwelle zum Erotischen.“. Gemeint war Bachs „Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo d-Moll BWV 1060“, mit Franziska Früh (Violine) und Guilherme Filipe Costa e Sousa (Oboe) als Solisten. Zwischen den beiden war die spielerische Leidenschaft tatsächlich zu spüren. Über das erotische Moment, lässt sich allerdings streiten.

Zum Abschluss des kurzweiligen Programms gab es noch ein wenig Joseph Haydn. Das Publikum war begeistert, was bewies, dass Christian Ehring eine gute Wahl für seine zweite Vertretung getroffen hat.

Am 26. Januar geht Martin Zingsheim als nächster Gastmoderator für Christian Ehring ins Konzert. Infos und Tickets unter:

www.tonhalle.de