Fall Gurlitt: Museumsleute hoffen

Fall Gurlitt: Museumsleute hoffen

Ab 1933 beschlagnahmte Bilder könnten zurückkommen.

Düsseldorf. Die 1500 Werke, die bei der spektakulären Razzia in der Wohnung von Cornelius Gurlitt (Sohn des früheren Düsseldorfer Kunstverein-Direktors Hildebrand Gurlitt) gefunden wurden, lassen auch hiesige Museumsleute hoffen. Womöglich befindet sich das eine oder andere Bild aus ihren Sammlungen darunter. Bisher hat die Forschungsstelle für „Entartete Kunst“ in Berlin aber nur eine Handvoll Bilder frei gegeben, darunter keines aus Düsseldorf.

Dabei war der „Bildersturm auf Düsseldorf“, wie es Meike Hoffmann von der Berliner Forschungsstelle nennt, besonders heftig. 1050 Werke beschlagnahmten die Nationalsozialisten aus den städtischen Kunstsammlungen. Das ist eine erstaunlich hohe Zahl, konnte doch der damalige Museumschef Karl Koetschau erst nach dem Ersten Weltkrieg und nur bis 1933 kaufen. Dass es so viele Werke sind, hängt mit der Weimarer Republik zusammen. Erst mit der Abdankung des Kaisers verstummten auch in Düsseldorf die reaktionären Kräfte. Koetschau kaufte berühmte Namen. Unter den Gemälden befanden sich Werke von Otto Dix, Lovis Corinth, Gert Wollheim, Emil Nolde. Sehr prominent waren von Franz Marc das Bild „Die badenden Frauen“ und von Ernst Ludwig Kirchner „Die drei Badenden“.

Insgesamt gingen Düsseldorf 105 Gemälde und zehn Skulpturen, darunter ein Werk von Ewald Mataré, verloren. Der Rest war Grafik. Ob sich Blätter aus Düsseldorf in Bayern wiederfinden, bleibt abzuwarten. Die Koordinierungsstelle in Berlin hat sich um derartige Papierarbeiten noch nicht gekümmert.

Hildebrand Gurlitt — nach ihm ist seit 1965 eine Straße in Bilk benannt — hatte nach dem Zweiten Weltkrieg verheimlicht, dass er die Sammlung noch besitzt. Gibt es nun Überlegungen, die Straße umzubenennen? „Ein solcher Wunsch ist bisher von keiner Seite an uns herangetragen worden“, sagte ein Stadtsprecher am Dienstag.

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