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Ex-Soap-Star ist immer noch umschwärmt

Ex-Soap-Star ist immer noch umschwärmt

Früher spielte Andreas Elsholz in „GZSZ“, jetzt tritt er in der Komödie „Pretty Girl“ auf.

Düsseldorf. Gut aussehen tut er auch heute noch. Auch mit 42 sprechen ihn besonders weibliche Fans auf der Straße oder im Café an und bitten Andreas Elsholz um ein Autogramm. Umschwärmt wie vor 22 Jahren, als er von der Straße aus ins TV-Studio engagiert wurde. Dort herrschte damals Goldgräberstimmung, man benötigte für die Daily-Soaps junge Gesichter und sportlich trainierte Körper.

Und so wurde über Nacht der in Berlin-Köpenick geborene Elsholz einer der ersten deutschen Serien-Stars, der sich auch als Sänger versuchte und es mit „Immer noch verrückt nach Dir“ in die Charts der 90er Jahre schaffte. Ab 1992, fast vier Jahre lang, war Andreas Elsholz in knapp 1000 Folgen als Heiko Richter in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu sehen.

Die täglich ausgestrahlte RTL-Soap mit ihm, die täglich 5,5 Millionen Zuschauer vor die Mattscheibe lockte, gibt’s zwar heute noch, ist aber längst kein Kult mehr unter Teenies. „Die schauen Serien fast nur noch im Internet“, meint Elsholz, der ab 10. Dezember als Hauptdarsteller in der Komödie auf den Brettern stehen wird: im Stück „Pretty Girl“. Während der Proben sprach die WZ mit ihm, dem Ehemann der Schauspielerin Denise Zich und Vater des elfjährigen Julius.

Warum nach so viel Fernsehen auf die Bühne? Geht das überhaupt?

Andreas Elsholz: Das wollte ich immer schon, habe aber neben den Drehterminen nur selten Zeit dafür. Und auf der Bühne zu spielen, ist anspruchsvoller als vor der Kamera. Man muss präziser arbeiten, kann beim Theaterabend keine Episode wiederholen.

Hatten Sie überhaupt Schauspielunterricht?

Elsholz: Nein, ich habe in Ost-Berlin eine Ausbildung gemacht, von der jeder DDR-Junge träumte, zum Automechaniker. Ich konnte Trabbis und Wartburgs reparieren, die nach 1990 keiner mehr wollte.

Und nach der Wende?

Elsholz: Ich arbeitete als Model; denn körperlich war ich fit. Ich war immerhin in der DDR Jugendmeister im Kanufahren. Danach kam ich durch Zufall an ‚GZSZ’. Man suchte unverbrauchte Typen. Wir jungen Darsteller bekamen einen Coach, der mit uns drei Mal wöchentlich das Einmaleins der Schauspielerei paukte.

Das hilft Ihnen jetzt noch?

Elsholz: Ja, aber die Proben mit Regisseur Helmuth Fuschl sind für mich das beste Training. Er achtet streng auf die Einsätze und Pointen der heiteren Liebesgeschichte. Ich bin stolz darauf, mit ihm zu arbeiten. Und bin dankbar, dass ich neben Anita Kupsch auftreten darf: Ich bewundere sie als Fernsehlegende und Vollprofi auf der Bühne. Sie arbeitet jetzt mit mir, einem kleinen Kfz-Mechaniker aus dem Osten. Das hätte ich mir nie träumen lassen.

Sie pendeln in den nächsten Monaten bewusst nicht zwischen Drehorten, Ihrer Familie in Berlin und der Komödie hier. Warum?

Elsholz: Ich konzentriere mich komplett auf die Proben und ab 10. Dezember die Vorstellungen. Ich habe andere Angebote (auch TV) abgesagt; denn ich hab’ mich für diese Produktion entschieden und will einfach gut sein. Das verlangt eiserne Disziplin. Die kenne ich vom Sport her. Es ist aber anders als am Set, wo der Regisseur eine Szene bei Bedarf häufiger dreht. Schauspieler ist der schönste, aber auch der härteste Beruf.

Alkohol tabu?

Elsholz: Fast. Ich kompensiere die Anspannung meist durch Sport im Fitness-Studio.

Wie haben Sie den Mauerfall erlebt?

Elsholz: Am 9. November musste ich nach Pankow fahren. Und konnte erst am 10. November morgens nach West-Berlin, hab’ mein Begrüßungsgeld kassiert, wie alle, und bin den Kudamm hoch gelaufen. Aber ich hatte mir den Westen anders vorgestellt — größer, so wie in den USA. Als ich das erste Mal in New York war, habe ich das erst verstanden.

Hat die DDR Sie denn geprägt?

Elsholz: Ich bin vielleicht geerdeter als manche hier im Westen. Und ich kann genießen, z. B. Erdbeeren. Denn ich weiß noch sehr gut, dass ich dafür in der DDR zwei lange Stunden Schlange stehen musste.

Und Düsseldorf?

Elsholz: Genieße ich sehr; denn der Rhythmus ist entspannter, gemütlicher als in Berlin. Und die Menschen sind viel freundlicher und offener. Und in diesen Tagen duftet es überall so gut.