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Evolutionsweg im Nordpark: 4,6 Millarden Jahre auf 460 Metern

Evolutionsweg im Nordpark : Ein Schritt – zehn Millionen Jahre

Auf dem 460 Meter langen Weg lässt sich die Entwicklung des Lebens auf der Erde eindrucksvoll begreifen.

Dass das Sonnensystem und damit auch die Erde vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden sind, das sagt sich so leicht. Ebenso, dass es dann sehr lange dauerte, bis es erste Formen des Lebens gab und noch sehr viel länger, bis der moderne Mensch, der Homo Sapiens,  auf die Bildfläche trat. Nämlich erst vor 200 000 Jahren. Diese schwer greifbaren Zahlen mag man erstaunt oder achselzuckend zur Kenntnis nehmen, je nach Mentalität. Doch in Düsseldorf wird eben diese zeitliche Dimension jetzt besonders plastisch: Auf dem sogenannten Evolutionsweg im Nordpark, neben der „Engländerwiese“ am Aquazoo.

Der Mensch betritt die Weltbühne erst ganz am Ende des Weges

Auf den Tafeln finden sich einige erklärende Sätze, links der Barcode. Wer ihn scannt, kommt an ausführliche weitere Informationen. Foto: Hinz/Ricarda Hinz

Wer die 460 Meter abschreitet, legt mit jedem Zentimeter 100 000 Jahre zurück. Jeder Meter bringt ihn oder sie zehn Millionen Jahre weiter in der Entwicklung des Lebens auf der Erde. Und wer bis zur „Krone der Schöpfung“ gelangen will, muss dazu exakt 459 Meter und 98 Zentimeter laufen. Bis ganz kurz vor Ende des Weges. Die Erde ist ganz schön lange ohne den Menschen aus- und klargekommen, begreift man da.

Ricarda Hinz vom Düsseldorfer Aufklärungsdienst. Foto: Zanin, Melanie (MZ)

Der „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“ und das Aquazoo-Löbbecke-Museum haben sich zusammengetan, um auf diese Weise das im Schulunterricht eher stiefmütterlich behandelte Thema Evolution besonders plastisch darzustellen. Auf 20 Schautafeln werden die einzelnen Schritte dargestellt, die das Leben nahm. Jede der Tafeln mit einem Bildelement und einigen erklärenden Sätzen steht in genau dem Abstand zur nächsten, wie es maßstäblich dem Zeitablauf entspricht: von der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren über die ersten Spuren des Lebens vor vier Milliarden Jahren, über die „Erfindung“ der Fotosynthese, den ersten Zellen, den ersten Landgang der Wirbeltiere, die Saurier, die Säugetiere. Und schließlich der Moderne Mensch, ganz kurz vor Ende des Weges.

Wo sich der Spaziergänger jeweils räumlich und damit auch zeitlich im Evolutionsgeschehen befindet, wird auf jeder der Tafeln deutlich. Beispiel erste Cyanobakterien (Blaualgen): 3500 Millionen Jahre oder 350 Meter vor heute. Beispiel erste Wirbeltiere: 505 Millionen Jahre oder 50,5 Meter vor heute. Oder viele Meter und viele Jahre weiter, erreicht der Spaziergänger das Zeitalter der Säugetiere: 65 Millionen Jahre oder 6,5 Meter vor heute steht da.

Ricarda Hinz ist Mitbegründerin des „Düsseldorfer Aufklärungsdienstes“. Das ist eine Regionalgruppe der  Giordano-Bruno-Stiftung, einer humanistischen Vereinigung aus Wissenschaftlern, Philosophen und Künstlern. Hinz gerät ins Schwärmen, wenn sie vom Thema Evolution als der Basis für alles andere spricht: „Die Naturwissenschaft bietet detaillierte Einblicke, aber man braucht doch erst mal den Überblick, um das alles einordnen zu können.“ Und diesen Überblick erfahre man beim Abschreiten des Weges geradezu körperlich, auf dem ein Millimeter Wegstrecke 10 000 Jahren Entwicklung entspricht. Und dann komme man ganz am Ende des Weges schließlich zu der Form des Lebens, der dieses ganze Weltgeschehen erst bewusst wird. „Wir sind die grübelnden Mehrzeller, die das überhaupt als erste erkennen. In unserem Gehirn denken Atome über Atome nach. Gibt es Phantastischeres?“, fragt Hinz.

Die Prinzipien der Evolution funktionieren auch in der Küche

Aquazoo-Direktor Jochen Reiter findet, dass der Weg „wie die Faust aufs Auge“ zu dem passt, was das Museum mit seinen Hauptthemen Evolution und Biodiversität vermittelt. Wer das Museum besucht hat, könne das Thema plastisch vertiefen, wenn er den Weg abschreite. Und erfahre, „dass es da Strecken gibt, wo lange nichts passiert und man viele Meter läuft. Und am Ende knubbeln sich die Schilder, weil in immer kürzeren Abständen immer mehr passiert in der Evolutionsgeschichte“.

Neben den wenigen erklärenden Sätzen zu den einzelnen Evolutionsschritten findet sich auf jeder der Tafeln ein QR-Code. Wer diesen scannt, bekommt weitergehende Informationen zum jeweiligen Thema, um zum Beispiel tiefer bohrende Kinderfragen beantworten zu können. Wenn zum Beispiel die grundlegende Frage aufkommt, wie die Evolution eigentlich funktioniert.

Ricarda Hinz hat da sofort eine plastische Analogie parat. Wie die Evolution mit ihren Prinzipien Informationsweitergabe, Veränderung (Mutation) und Selektion funktioniert, erklärt sie mit dem Geschehen in der Küche: „Das ist wie beim Kochen: Das Kochrezept als Informationsweitergabe, die Kreativität am Herd, also die leichte Veränderung des Rezepts und dann die Selektion: Schmeckt ja viel besser, das koche ich ab jetzt nur noch so.“