Evgeni Bozhanov: Klavierspieler — und sonst nichts

Evgeni Bozhanov: Klavierspieler — und sonst nichts

Student Evgeni Bozhanov erreichte bei dem wichtigsten Wettbewerb der Welt einen vorderen Platz.

Düsseldorf. Über einen Pianisten oder anderen Musiker zu sagen, er würde sein Leben der Musik widmen, erscheint zunächst trivial. Doch auf den Bulgaren Evgeni Bozhanov trifft dieses Phänomen in besonderem Maße zu, denn er drapiert sein ganzes Dasein um das Klavierspielen.

„Was verstehen Sie unter Freizeit?“, erwidert der 26-Jährige irritiert, als er nach seinen bevorzugten Tätigkeiten jenseits des Musizierens gefragt wird. Neben ihm sitzt sein Klavierprofessor Georg Friedrich Schenck, dessen Blick verrät, dass er wusste, was sein Student antworten würde.

„Sie lesen doch gerade die Tagebücher von Tolstoi“, ermuntert er den Bozhanov. Dieser zuckt jedoch nur unbeteiligt mit den Schultern, so als wundere er sich darüber, dass seine derzeitige Freizeitlektüre eine Erwähnung wert sein soll.

„Der Beruf ist mein Hobby“, erklärt Bozhanov. „Jeder Tag ist Vorbereitung“, sagt der Student der Robert-Schumann-Hochschule. „Wie man duscht, was man isst, wie man schläft, alles gehört zur Vorbereitung, all dies beeinflusst den Körper und letztlich auch das Klavierspiel.“ Ganz wichtig: das Essen: „Das unterliegt zwar keiner detaillierten Planung, aber es hat natürlich Einfluss auf das Klavierspiel.“

Seit fünf Jahren erhält der junge Bulgare Unterricht von Professor Schenck, den er als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnet. Und Schenck wiederum ist voll des Lobes über Bozhanov. „Schon als ich ihn zum ersten Mal hörte, fiel mir seine unglaubliche Begabung und starke Technik auf.“ Im Unterricht habe man dann viele Aufnahmen zusammen gehört und die Eindrücke systematisiert.

Dieses aufmerksame Hören der Platten großer Pianisten ist laut Schenck bei Bozhanov auf sehr fruchtbaren Boden gefallen. Vor allem die Pianisten der Vergangenheit wie Richter, Horowitz und Rubinstein beeindruckten Bozhanov stark. An ihnen, sagt er, orientiere er sich lieber als an den zeitgenössischen. „Wie damals gespielt wurde, klingt heute fast wieder modern, und wie man heute spielt, wirkt meiner Meinung nach altbacken.“

Bozhanov ist musikalisch schon weit gekommen. Im Oktober belegte er den vierten Platz beim Warschauer Chopin-Wettbewerb, dem wichtigsten Klavierwettbewerb der Welt. Dieser vierte Platz wiegt weit mehr als alle Spitzenplätze anderer Wettbewerbe. In Warschau, wo nur alle fünf Jahre ein Concours ausgerichtet wird, sitzt die strengste Pianisten-Jury der Welt. Der Wettbewerb fördert junge hochtalentierte Musiker.

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