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Erstes Museum für historische Radios

Erstes Museum für historische Radios

Klaus Gordziel und Claudia Rüdinger eröffnen einen neuen Ausstellungsraum an der Neusser Straße.

Im Hinterhof der Neusser Straße 41, gegenüber vom Polizeipräsidium, hat Klaus Gordziel einen „Radio Room“ eröffnet. Der 68-jährige Pensionär bestückt einen aufwendig sanierten Ausstellungsraum mit alten Radios, die bewundert, verkauft oder für Filmaufnahmen und Ausstellungen verliehen werden. Ein geschichtsträchtiges Kuriositäten-Kabinett ist entstanden.

Hörfunkgeräte gibt es seit Erfindung elektromagnetischer Wellen Ende des 19. Jahrhunderts. Gordziel sammelt die analogen Geräte seit 50 Jahren. Den ersten Rundfunkapparat, einen „Blaufunk“, bekam er als Jugendlicher, als sich die Eltern eine große Musiktruhe in den 1950er Jahren anschafften und das handliche Gerät aussortieren.

500 Radios hat der Mann aus Unterbilk im Fundus, davon sind 120 zu sehen. „Ich bin fasziniert von der alten Technik“, sagt er und steuert auf einen Phonographen des Erfinders Thomas Edison zu. „Das war das erste Gerät zum Aufzeichnen von Tönen über eine Hartwachswalze“, erklärt er. Schaltet man das Gerät mit dem trompetenartigen Lautsprecher ein, so ertönt ein Weihnachtslied. „Eine sprechende Maschine“ ist dies, anno 1887. Das Original besitzt er erst seit zwei Wochen. Er hat es in einem holländischen Trödelladen entdeckt. Die dazugehörenden 33 Walzen stehen in einer Glasvitrine.

Gordziel streichelt über das, was er auf Trödelmärkten im In- und Ausland zusammengetragen hat. „Philips Schlitten“, Baujahr 1931, erinnert in der Silhouette an eine Bischofsmütze. Eine Kufenform wie ein Schlittschuh stammt von 1936. Ein „Katzenkopf“ anno 1931 ist noch aus Bakelit, einem spröden Kunststoff, der leicht zerbricht. „Pondis Zauberdose“ steht in einer Vase.

Auf Tischen, Stühlen und vor allem in Regalen stehen die Kostbarkeiten. Das ursprüngliche Lager eines Anstreichers hat er dafür auf Vordermann gebracht. Nichts erinnert mehr an Farbreste. Alles sieht piekfein aus, ist bestens beleuchtet, durch Hinterhof-Türen und Rollos vor Dieben gesichert.

Wer will, kann den Radio Room besuchen. Klaus Gordziel denkt daran, Schulklassen zu empfangen, damit die Kinder wissen, dass es eine Zeit vor dem Iphone gab. Wer will, kann Kurbeln drehen, um einen Sender zu finden. Das Vasenradio ist ein Unikum. Ganz im Gegensatz zum „Volksempfänger“, der dem Volk die Parolen der Nazis einimpfen sollte. Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels sorgte mit dem Apparat dafür, dass die Wahlsprüche des „Führers“ in jeden Haushalt einzogen. Elf Millionen Volksempfänger gab es allein bis 1940.

„VE 301“ steht auf einem Schild. Ein böses Datum, denn vom 30. Januar 1933 datiert die Machtergreifung Hitlers. Neben so einem Volksempfänger steht ein Schild, das ebenfalls bittere Erinnerungen weckt: „Das Abhören ausländischer Sender ist ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit unseres Volkes. Es wird auf Befehl des Führers mit schweren Zuchthausstrafen geahndet.“

Eine andere Sentenz gilt ebenso der Gehirnwäsche im „Dritten Reich“: „Aus Anlass des Gemeinschaftsempfangs der Rede des Führers tritt während der Zeit von 16 bis 17 Uhr (4 bis 5) eine Verkaufspause ein.“ Niemand sollte also die Propaganda verpassen.

Damit es nicht allzu gruselig wird im Radio Room, präsentiert Claudia Rüdinger zugleich einen Pop-up-Store. Kunstwerke hängen an den Wänden.