Komödie in Düsseldorf: Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“: Blumenregen für immergrünen Klassiker

Komödie in Düsseldorf: Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“: Blumenregen für immergrünen Klassiker

Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ in der Bühnenfassung der Komödie in Düsseldorf wird umjubelt.

Düsseldorf. Geniestreiche altern nicht. Erich Kästners Roman „Drei Männer im Schnee“ gehört zur Sorte heiterer Literatur, deren Pointen auch fast ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung noch zünden wie funkelnagelneues Feuerwerk. Jetzt feierte eine Neuinszenierung der Bühnenfassung Premiere in der Komödie an der Steinstraße.

Anders als zeitgebundene Kalauer besitzen Kästners Gags etwas immer Gültiges. Portier und Direktor eines alpinen Grandhotels sind in der hier zu erlebenden gestelzten Art zwar typische Figuren des frühen 20. Jahrhunderts, doch bestimmte Verhaltensmuster überdauern die Jahrzehnte unbeschadet. Die zuckersüße Freundlichkeit einem vermeintlichen Millionär und Arroganz einem abgerissen gekleideten Menschen gegenüber könnte man sich noch heute in den verschiedensten Kulissen vorstellen. Ein luxuriöses Ferienhotel der frühen 30er Jahre im Hochgebirge bietet freilich ein denkbar reizvolles Bühnenambiente.

Zu sehen sind größtenteils Eingangsbereich und Rezeption des Foyers, hinter den großen Fensterscheiben türmt sich das schneebedeckte Alpenpanorama. Durch die Glastür betritt vorsichtig der adrett, aber einfach gekleidete Gewinner des Preisausschreibens der Tobler-Werke. Aufgrund eines telefonisch übermittelten, aber unzureichend informativen Tipps hält das Hotelpersonal diesen arbeitslosen Akademiker namens Dr. Hagedorn (Fabian Goedecke) für den angekündigten getarnten Millionär. Den echten Millionär, Geheimrat Tobler (Christof Düro), verwechselt man aufgrund dessen bewusst ärmlicher Kleidung mit dem Mittellosen.

Das Stück amüsiert bereits durch Kästners brillante Dialoge. Zusätzlichen Witz bringen die Darsteller durch ihr gleichermaßen lebendiges wie subtiles Spiel mit ein. Goedecke, der auch Regie führt, mimt überzeugend den lebensfrohen Habenichts, während das komödiantische Urgestein Volker Conradt als Hoteldirektor und der hinsichtlich Humor nicht minder begabte Sven Post als Portier Polter ein perfektes Paar abgeben. Conradt spielt den blasierten Chef, während Post an falscher Freundlichkeit nicht zu übertreffen ist. Unterdessen markiert Düro überzeugend den stattlichen Strahlemann, der sich sogar darauf freut, endlich den Schornstein fegen zu dürfen. Wunderbar unbeholfen kommt der hoch gewachsene Michael Schäfer als Diener Johann über die Rampe. Köstlich, wie diskret und erfolglos er versucht, den eigensinnigen Geheimrat von seiner Abenteuerreise ins Reich der Demütigungen abzubringen.

Auch die Nebenrollen sind bestens besetzt: Ob Michaela Klarwein und Reinhild Köhncke in den Rollen glückloser Millionärs-Anglerinnen oder Kerstin Bruhn als Geheimrats-Tochter sowie Ute Stein als Hausdame bringen schauspielerische Würze auf die Bühne. In die fast stumme Rolle des Hotelpagen schlüpft Wolfgang Ganzera, bekannt als Gastronom des Komödien-Bistros. Er kann für kurze Kommentare und Flüche die Mundart seiner österreichischen Heimat bestens anbringen. Viel ausgelassenes Gelächter während der Premiere und tosender Applaus mit Blumenregen vom Rang aus auf die Bühne.

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