Entertainer mit Geigenbogen

Der japanische Violinstar Taro Hakase trat zum ersten Mal in Deutschland auf.

Düsseldorf. Mit strahlendem Lächeln betritt er die Bühne des ausverkauften Opernhauses, der japanische Stargeiger Taro Hakase, der in seinem Heimatland Arenen mit 20 000 Besuchern füllt und nun zum ersten Mal in Deutschland auftritt. „Es ist eine Freude, den Rhein zu sehen, den seine beiden Lieblingskomponisten Brahms und Schumann auch gesehen haben“, sagt der Musiker mit den schwarzen Wuschellocken, der im Alter von 43 einen noch immer etwas jungenhaften Habitus an den Tag legt. Er spricht auf Japanisch, so dass die 500 japanischen Besucher zuerst ihre Reaktionen aufs Gesagte zeigen und der Rest des Publikums erst nach der Übersetzung durch eine Dolmetscherin im traditionellen japanischen Gewand.

Takases Deutschlanddebüt ist gleichzeitig Start der nun jährlich wiederkehrenden Kulturreihe „Berenberg Asia Classics“ der Berenberg Bank. Verbunden mit dem Konzert ist eine Charity-Auktion mit internationalen zeitgenössischen Künstlern wie Georg Baselitz, Tony Cragg, Rebecca Horn und Thomas Struth, die unter der Federführung des Düsseldorfer Kunstexperten Helge Achenbach über das Online-Auktionshaus „artnet“ ausgerichtet wurde. Der erzielte Erlös von 130 000 Euro soll über die gemeinnützige japanische Ashinga-Organisation den Erdbebenopfern in Japan zugutekommen.

Der Abend mit Hakase und Mitgliedern des renommierten English Chamber Orchestra gleich nicht üblichen Klassikkonzerten. Große Werke kommen nicht zu Gehör, dafür viele hübsche Ohrwürmer wie die „Meditation“ von Massenet oder der 5. Ungarische Tanz von Johannes Brahms. Längstes Opus des Abends ist ein Trio für Violine, Cello und Klavier, das Hakase selber komponierte. Es ist ein bisschen im Brahms-Stil gehalten und macht auch Anleihen bei Antonin Dvorák. Musikgeschichte schreibt Hakase freilich damit nicht.

Die Kunst des Geigers erweist sich als gefällige Mischung aus Violinvirtuosentum und Entertainment. Es gibt gewiss größere Geiger, Komponisten und Unterhaltungsprofis — doch eben die Kombination aus all dem macht den Charme der Sache aus. In Fritz Kreislers „Praeludium und Allegro“ fehlt es Hakase etwas an klarer Linienführung. Seine Stärken liegen mehr im gefühlvoll romantischen Spiel, das beim Publikum merklich gut ankommt. Für den herzlichen Beifall spendet Hakase Zugaben.

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