„Entartete Musik“ mit Toten Hosen und Orchester

„Entartete Musik“ mit Toten Hosen und Orchester

An drei Terminen im Oktober sind Stücke von Weill, Schönberg und Lieder der Hosen in der Tonhalle zu hören.

Düsseldorf. Vor Arnold Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“ hat Campino von den Toten Hosen Respekt, aber keine allzu große Furcht, obwohl das dramatische Werk äußerst anspruchsvoll ist. Der Sänger übernimmt den Sprechpart und wird dabei vom Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule und seinen Bandkollegen begleitet. „Es geht nicht darum, sich zu messen, sondern um den Inhalt“, sagt Campino.

Der Inhalt der insgesamt drei Konzerte im Oktober mit den klassischen Musikern hat es in sich: Die Hosen und das Orchester wollen damit der Ausstellung „Entartete Musik“ von 1938 in Düsseldorf gedenken. In dieser Schau wollten die Nazis den vermeintlichen Einfluss des „Jüdischen“ und des „Undeutschen“ dokumentieren.

Die Bandbreite der Stücke reicht von unterhaltsamer Filmmusik über Kompositionen der Comedian Harmonists, Stücke aus der Dreigroschenoper von Kurt Weill und Schönberg bis hin zu Songs der Toten Hosen, die sich „auf den Kampf gegen faschistische Tendenzen“ beziehen, darunter „Sascha“ oder das weniger bekannte „Willkommen in Deutschland“ — so arrangiert, dass sie nicht unbedingt nach der Düsseldorfer Band klingen. Deshalb stellt Campino bereits im Vorfeld klar, dass es kein lustiger, sondern ein nachdenklicher Abend werde. Auch Sinti-, Roma- und jiddische Lieder gehören zum Repertoire.

Bei der Wahl für dieses interessante Cross-over-Konzert in der Tonhalle fiel die Wahl auf die Düsseldorfer Rockband, „weil sie schon immer eine klare Position gegen Rechts bezog“, erklärt der Prorektor der Musikhochschule, Thomas Leander. Als er Campino das Projekt vorgestellt habe, sei dieser davon sofort begeistert gewesen. „Es wird spannend zu sehen, inwieweit wir mit dem Orchester fusionieren“, sagt Campino. Für Hosen-Gitarrist Breiti ist das Konzert „ein Statement für Pluralität und Toleranz“. Und es sei vor allem eines mit eindeutigem Düsseldorf-Bezug, betont der Intendant der Tonhalle, Michael Becker.

„Die Ausstellung von 1938 wurde nur in Düsseldorf gezeigt. 1939 hat Goebbels die Stadt als Reichsmusikhauptstadt proklamiert.“ Die Wahl des Konzertortes ist im Übrigen kein Zufall: Im Januar 2014 zeigt die Tonhalle drei Wochen lang die Ausstellung „Entartete Musik.“

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