1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Endlich können Heimbewohner wieder Angehörige treffen - zum Beispiel im Wichernhaus

Corona-Krise in Düsseldorf : Zum Muttertag: Besuch im Pflegeheim

„Ach Junge, du sollst mir doch keine Blumen mitbringen.“ Christel Beck strahlt über das ganze Gesicht. Endlich kann sie mit ihrem Sohn wieder in einem Raum sein.Thomas van Heerden war in den letzten Wochen jeden zweiten Tag zum Pflegeheim Wichernhaus der Diakonie in Flingern gekommen, um seine Mutter zu sehen.

Christel Beck winkte ihm dann  immer vom Balkon aus zu.

Zum Muttertag hat die Landesregierung die strengen Corona-Regelungen für Pflegeeinrichtungen gelockert und damit die Betreiber vor schwierige Aufgaben gestellt. „Wir haben in der Kürze der Zeit versucht, alle Vorgaben umzusetzen und es trotzdem für Bewohner und Angehörige so angenehm wie möglich zu gestalten“, sagt Birgit Böhm, seit November 2019 Leiterin des Wichernhauses. So wurde die Bibliothek zum Besucherraum umfunktioniert. Ein Tisch in der Mitte bekam eine Trennscheibe aus Plexiglas. „Die Bewohner können hausintern in den Raum kommen, die Besucher von draußen über die Terrasse“, erklärt sie das Prozedere. Nach jedem Treffen muss der Raum desinfiziert werden.

Doch bevor Thomas van Heerden seiner Mutter endlich gegenübersitzen kann, muss er noch einen Fragebogen ausfüllen und schriftlich versichern, dass er weder infiziert ist, noch mit Erkrankten Kontakt hatte. Dann noch schnell die Hände desinfiziert und der große Moment ist da. Zwanzig Minuten haben Mutter und Sohn für sich. Berühren dürfen sie sich nicht. Aber immerhin ist die Distanz nicht mehr so groß und sie sind in einem Raum. „Ist ein wenig wie in der TV-Serie Frauenknast, fehlt nur noch das Telefon“, versucht Thomas van Heerden die surreale Situation aufzulockern. Den Humor hat er offenbar von der Mama, denn die sagt augenzwinkernd: „Hätte ich gewusst, dass die Presse heute kommt, hätte ich das kleine Schwarze angezogen“.

Die 77-jährige ist eine von 90 Bewohnern des Heims. 20 von ihnen bekommen am Muttertag Besuch. „Um es für alle fair zu halten, können wir maximal zwei Besucher pro Bewohner für 20 Minuten erlauben“, sagt Leiterin Birgit Böhm. Die anderen 70 Heimbewohner kriegen entweder erst in den nächsten Tagen Besuch oder gar keinen: „Manche haben niemanden mehr, der kommt“, bedauert Birgit Böhm.

Die vergangenen Wochen waren für Christel Beck alles andere als leicht. „Aber meine Mutter hat es erstaunlich gut verarbeitet, zumindest am Anfang“, verrät ihr Sohn. „Das Personal war unglaublich. Es wurden Tablets besorgt und Handys, damit die Bewohner skypen können“, lobt  van Heerden. Seit rund zwei Jahren lebt Christel Beck im Wichernhaus. „Sie hat wie die anderen Bewohner noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Oft höre ich: ,Wir haben schon viel Schlimmeres erlebt als Corona’ “, sagt Birgit Böhm –  und weiß doch, dass nichts so gut tut, wie ein Besuch der Angehörigen und sei es ohne Berührungen.