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Eine Liebeserklärung an das Opernhaus

Feuilletönchen : Eine Liebeserklärung an das Opernhaus

In der heutigen Kolumne schreibt unser Kulturredakteur einen „Liebesbrief“ an das Opernhaus in Düsseldorf.

So viele Menschen haben in Deinen Räumen Momente höchsten Glückes voller Musik und Theater erlebt. Wer alles stand nicht auf den Brettern Deiner Bühne, saß oder stand im Halbdunkel Deines Orchestergrabens? So viele große und kleine Namen, die hier gewirkt haben, ihre Seele öffneten. Ob Dirigent, Musiker, Sänger, Regisseur oder die vielen anderen Menschen, die Dich täglich am Leben halten und die ganzen Menschen, die zu Dir kamen, um sich ein bisschen kulturellen Glanz in den grauen Alltag zu holen. Du hast sie alle erlebt: den Connaisseur, den neugierigen Neuling, kleine und große Kinder, Snobs und die, die jene gar nicht ausstehen können. Du hast sie alle mit offenen Armen empfangen, ob Lackschuh oder Jeans. Immer strahlst Du eine verspielte Eleganz aus, die es so vielleicht nur in der Traumwelt eines Opernhauses geben kann. Du bist kein Museum, trägst aber die Aura einer fast schon verlorengegangenen Zeit in Dir.

Und trotz aller Nostalgie, kannst Du auch ganz modern sein. Sorgtest auch mal gerne für kleine oder größere Skandälchen. Hast viel Kritik einstecken müssen, mal zu recht mal nicht. Doch egal, was kam, Du bliebst Dir treu. Zart-rosa lächelst Du all die Angriffe von links und rechts weg. Du kannst auch mal sehr beharrlich sein. Stünde Dir hin und wieder etwas mehr Avantgarde gut zu Gesicht, so bist Du heute doch so offen für alle. Ich habe Dich in mein Herz geschlossen, gerade weil Du so bist wie Du bist. Du spiegelst in Dir auf Deine ganz eigene Weise, die Seele dieser Stadt.

Aber Du bist krank geworden. Dir geht es nicht gut, auch wenn man es Dir auf den ersten Blick nicht ansieht und Du Deine Arbeit immer noch mit eiserner Disziplin verrichtest. Die inneren Abnutzungen kannst Du nicht mehr verstecken. Sie wurden nun mehr und mehr sichtbar. Wieso hat man Dir nicht rechtzeitig die passende Medizin gegeben? Wieso ließ man zu, dass Du Dich überarbeitet hast. Du lebtest jahrelang von der Substanz.

Und nun, nun spricht man davon, Dich auszumustern. Man denkt sogar daran, Dich zu zerstören. Um Platz zu schaffen für einen Nachfolger. Nun ja, dieses Schicksal ereilte schon viele vor Dir. Du selbst hast es nach der dunklen Zeit erlebt. Und trägst vielleicht sogar noch Spuren dieser Jahre in Deinen Knochen. Dennoch gehörst Du, so wie Du bist, mit all Deinen Schwächen, zur Identität dieser Stadt. Und das nicht nur durch die Kunst, die Du ihr schenkst, sondern auch durch Deine Kleider. Nicht umsonst gibt es Menschen die Dich beschützen, die genau hinschauen, dass Dir nichts passiert.

Wie man Dir helfen kann, darüber sollten wir alle miteinander reden. Aber Dich begraben dürfen wir nicht!