Ein Sekretär von Carl Theodor

Ein Sekretär von Carl Theodor

81 Händler zeigen ungewöhnliche Kostbarkeiten. Vor allem die Antiquitäten locken das Fachpublikum.

Düsseldorf. Diese Kunstmesse Düsseldorf ist voller Überraschungen. Zum Beispiel bietet der Galerist Christian Eduard Franke einen Reisesekretär mit Jagdszenen an. Dem Galeristen kann man nur wünschen, dass sich an seinem Stand Kulturdezernent Hans-Georg Lohe oder Mitarbeiter aus Schloss Benrath einfinden, denn das zierliche Möbel mit den abschraubbaren Beinen gehörte Carl Theodor. Der benutzte ihn in seinen Schlössern Schwetzingen oder Benrath. Da er das gute Stück liebte, nahm er es auf Reisen mit. 86 000 Euro will Franke dafür haben.

Die Händler wie das Publikum sind begeistert von dieser Messe. Maria Rutz, Spezialistin für kostbare Ikonen, sprach gestern bei der Vernissage vielen Besuchern aus der Seele, als sie sagte: „Diese Messe ist qualitativ sehr gut und relativ klein. Das ist das Schöne daran. Kunstmessen, auf denen man sich verläuft, bringen doch nichts.“ Durch ihre Intimität und die verlockenden Angebote der 81 Händler konnte sich diese Veranstaltung der Neusser Firma TexStyle zur Lieblingsmesse der Szene entwickeln. Sie schlägt München und gilt als die größte und erfolgreichste Messe auf dem Gebiet von Kunst, Porzellan, Schmuck, Glas und Antiquitäten.

Die Händler schätzen das erlesene Fachpublikum, das sich für das Besondere interessiert. Beachtung findet etwa eine Brüsseler Tapisserie von 1720, die den Wettstreit der Göttinnen um die schönste Frau der Welt zum Thema hat. Venus wird geschmückt und ihr Goldhaar frisiert. Eine Grazie hält ein Kästchen mit Juwelen bereit. Ihre Konkurrentinnen Athena und Hera schauen aus den Wolken auf die Göttin herab, in Erwartung des Paris-Urteils. Setareh aus Düsseldorf will für den fulminanten Teppich eine sechsstellige Summe haben.

Thomas Schmitz-Avila aus Süddeutschland bietet einen Intarsienschrank von 1775 aus der Werkstatt des Mainzer Ebenisten Johann Michael Leistner an. Der Händler ist sich sicher, dass er vom Erzbischof aus Mainz stammen müsse. Um diese These zu beweisen, schiebt er ein Gebetbänkchen heraus und meint: „Der Geistliche war ein Leichtgewicht, sonst wäre der Schrank beim Beten umgekippt.“

Auch Schmuck ist begehrt, etwa eine Brosche mit einem Mohren. Fotos in einer Vitrine beweisen, dass sich schon Persönlichkeiten wie Elena von Spanien, Paola von Belgien oder Grace Kelly mit derlei Preziosen geschmückt haben. Sie sind ab 4000 Euro bei Röder zu haben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung