Ein Pilot fliegt auf Kunst

Michael Müller hat einen Kunstverein gegründet, der nun seine erste Ausstellung mit zwei Düsseldorferinnen ausrichtet.

Düsseldorf. Immer mehr Menschen in Düsseldorf engagieren sich ehrenamtlich durch die Bereitstellung von Räumen für Ausstellungen. Nach Monika Schnetkamp im Hafen ist dies in kleinerem Rahmen Michael Müller in Reisholz.

Der 39-jährige Pilot kennt sich dank seines Berufs in den Museen und Galerien der verschiedensten Länder aus, ließ sich etwa über eine Kunsthistorikerin in die bolivianische Kunstszene ober über das Kulturamt in Peking in entsprechende Künstlerkreise einführen. Vor vier Jahren hatte er sein Aha-Erlebnis, das jetzt zu einem Pilot-Projekt führt:

Er flog einen Kunsttransport der berühmten Fondation Beyeler zur großen Ausstellung nach New York ins Metropolitan Museum. Und da die Schätze mit 200Millionen Euro versichert waren, wurde von der Versicherung eine fachkundige Begleitung angefordert. So saß der Baseler Kurator Ulf Küster sieben Stunden neben Müller im Flieger. "Wir haben uns gut unterhalten. Bisher kannte ich die Kunst von der Künstlerseite, jetzt lernte ich sie von der Sammlerseite kennen." Seit 2003 sammelt Michael Müller selbst.

2007 lernte er das neue Atelierhaus an der Walzwerkstraße 14 kennen und freundete sich mit dem Grundstückseigentümer Gil Bronner an. Soeben gründete er den Verein, "Pilot Projekt für Kunst", um einen Ort für die "aktuelle Kunstproduktion, Begegnung und Austausch, Experiment und Diskussion" zu schaffen. Sogar eine kleine Küche ist da vorhanden, für Gastkünstler aus dem Ausland. Sein Geld verdient Müller weiterhin als Pilot, nun gibt er einen Teil davon als Förderer aus.

Zum Auftakt stellen die Düsseldorferinnen Tamara K.E. und Anna K.E. aus. "Antilogica" ("Anti-logisch") nennt Tamara ihre Serie. Sehr spontan, aus der Skizze entwickelt, wirken ihre Ölbilder. Ein weiblicher Akt bildet den Boden, über ihm tänzeln abstrakte Zeichen. Zu einem Landser-Kragen gehört eine grüne Perücke ohne Gesicht und ohne Körper. Tamara mischt hauchdünne, leuchtende Silbertöne mit pastosen Farben. Ein weiblicher Akt scheint sich knieend an der Malerei wie an einem Bach zu delektieren, während über ihm die dunkle Nacht aufzieht.

Anna K.E. hat das Milieu für ihre Bilder weiß gekachelt und mit Podesten versehen. Anna inszeniert eine provisorische Kunst, indem sie Kachelstreifen durch den Raum und bis unter die Decke führt und Spieltiere aus Kunststoff oder Fell darauf setzt.

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