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Ein Leben für die große Liebe

Ein Leben für die große Liebe

Das Schauspielhaus zeigt „Piaf. Keine Tränen“.

Düsseldorf. Wie sucht man nach einer Person, die so überlebensgroß geworden ist, dass sie den Blick auf sich verstellt? Edith Piaf ist ein solcher Mythos, eine Frau, die in fast 48 Jahren ein Leben geführt hat, das für zehn andere gereicht hätte. Die 26-jährige Autorin Juliane Kann hat sich im Auftrag des Düsseldorfer Schauspielhauses der Aufgabe gestellt, die Frau hinter der Legende zu finden. In ihrem Stück "Piaf. Keine Tränen", das am Samstag im Großen Haus uraufgeführt wird, lässt sie einen Fan immer tiefer in das Leben der verehrten Diva eintauchen und sich regelrecht darin verstricken.

"Diese Biografie zu recherchieren war grauenhaft", sagt Regisseurin Daniela Löffner. Vieles in Piafs Vita ist unklar, chaotisch, widersprüchlich oder schlicht frei erfunden. So ist die Geschichte ihrer Geburt, die angeblich auf einem Pariser Trottoir stattfand, ebenso mysteriös wie die ihres Todes: Die Leiche der eigentlich am 10. Oktober 1963 in Grasse verstorbenen Piaf schaffte man in einer Nacht- und Nebel-Aktion nach Paris, um erst dort den Totenschein auszustellen. Der "Spatz von Paris" durfte nirgendwo anders gestorben sein. Zu ihrem Begräbnis auf dem Friedhof Pére Lachaise kamen über 40 000 Menschen.

Trotz allen kollektiven Wissens über sie und ihrer eigenen schonungslosen Offenheit bleibt die Piaf schwer greifbar. Das lässt der Inszenierung Platz und macht sie für Löffner besonders reizvoll: "Man hat so die Chance, Weltgeschichte frei zu erfinden, wobei man auf die Kenntnis des Publikums aufbauen kann."

Dass die große Sängerin am Ende ihres Lebens voller Schicksalsschläge, Schuld und Trauer scheinbar ungebrochen "Je ne regrette rien" (Ich bedaure nichts) singen konnte, ist eine Facette, die Löffner besonders fasziniert: "Darin muss eine unglaubliche Menge an Arbeit stecken. Eine besondere Qualität, am Leben bedingungslos die Liebe zu lieben."

Die große Chansonette spielt Susanne Tremper, die schon im Musical "Piaf" als perfekte Interpretin glänzte. "Sie ist gesanglich so nah am Original, dass es mir manchmal kalt über den Rücken lief", sagt die Regisseurin über Tremper. Den Fan gibt Denis Geyersbach, alle anderen Rollen teilen sich Nadine Geyersbach, Christoph Müller und Milian Zerzawy.

Uraufführung am Samstag, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen: 14., 17., 23., 25., 26. Dezember und 3., 6., 14., 15., 22., 27., Januar. Karten unter 0211/369911.