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Ein langes Kapitel geht jetzt zu Ende

Ein langes Kapitel geht jetzt zu Ende

Schulreferentin Ute Kessler geht nach 30 Jahren am Schauspielhaus in den Ruhestand.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Wenn Ute Kessler am Donnerstag ein letztes Mal durch die Flure des Kinder- und Jugendtheaters geht und die Türen hinter sich schließt, dann beendet sie damit ein knapp 30-jähriges Kapitel. Es war ihr 34. Geburtstag, als sie am 20. Dezember 1977 ihre Stelle als Schulreferentin am Düsseldorfer Schauspielhaus begann. "Mein erster Gedanke war damals: ,Was genau ist jetzt meine Aufgabe?’", erinnert sich Ute Kessler. Denn das, was heute unter dem Titel "Theaterpädagogik" läuft, befand sich damals noch in den Kinderschuhen.

"Theater zu sehen, muss man ebenso lernen, wie Musik zu hören"

Doch schnell fand sich die engagierte Theaterfrau in ihre Aufgabe ein. Nach ihrer Auffassung, dass man Theater sehen ebenso lernen muss, wie Musik zu hören, trat sie an Schulen heran, organisierte Treffen mit Schauspielern oder Bühnenbildnern oder ging mit Schauspielern in die Klassen. Einer dieser Schauspieler hieß Karlheinz Böhm, der 1979/80 hier den "König Lear" spielte. "Er war wirklich toll", lobt Ute Kessler und wird ein wenig wehmütig. Zu der Zeit habe man an den Schulen noch mehr Zeit für Theater gehabt, heute sei es dank PISA und anderen Lernstandserhebungen schwieriger geworden, Theaterbesuche für Klassen einzurichten. "Dabei ist das Theater eine sinnliche Fortsetzung des Unterrichtsstoffes", gibt sie zu bedenken. Wirklich beklagen will sie sich jedoch nicht. Im Gegenteil. Vor allem durch das Schulamt habe sie immer tatkräftige Unterstützung gehabt. "Düsseldorf ist sehr vorbildlich, was die vielen Projekte mit Schulen betrifft", sagt Ute Kessler. Unermüdlich hat die in Görlitz Geborene versucht, Kindern und Jugendlichen die Hemmung vor dem Theater zu nehmen. Und immer wieder hat sie das auch geschafft. "Je früher man Kinder mit dem Theater konfrontiert, desto besser, desto selbstverständlicher wird der Gang ins Theater." Aber auch Jugendliche seien noch zu "knacken". "Man muss sie nur mit den richtigen Themen locken, ihnen zeigen, was die alten Stoffe mit ihrer Lebenswelt zu tun haben", beschreibt Ute Kessler ihren Ansatz. Schaffe man es, zu den Jugendlichen vorzudringen, würde man belohnt: "Kinder und Jugendliche bringen ihre Gedanken auf den Punkt; sie reden nicht drumherum - manchmal haben mich solche Äußerungen wirklich umgehauen. Das hat mich sehr bereichert."

"Wenn ich die Arbeit vermisse, mache ich ehrenamtlich weiter"

Wenn Ute Kessler nun ihren Schreibtisch für ihre Nachfolgerin räumt, so tut sie das überwiegend mit einem guten Gefühl. "Es war meine Entscheidung und kräftemäßig wird es mir gut tun", sagt sie. Endlich einmal Zeit zu haben für sich und Freunde - darauf freut sie sich. Vieles hat sie angestoßen in ihrer langjährigen Arbeit am Düsseldorfer Schauspielhaus ("Für eine so lange Zeit bin ich dankbar! Das ist nicht selbstverständlich!"), sie hat das Feld für die neue Schulreferentin Nadine Frensch gut bestellt, die das Amt zur neuen Spielzeit übernehmen wird, und kann nun beruhigt in den Ruhestand gehen. "Und wenn ich die Arbeit und den Kontakt zu den Schülern doch so sehr vermissen sollte, dann werden sich schon Aufgaben finden. Ehrenamtler werden schließlich immer gebraucht."

Ute Kessler

Geboren: Ute Kessler wurde am 20. Dezember 1943 in Görlitz geboren.

Werdegang: Nach ihrem Studium (Deutsch und Französisch auf Lehramt) in Göttingen, begann sie 1970 am Theater Hannover. Über Pforzheim und Bielefeld kam sie schließlich 1977 nach Düsseldorf.

Düsseldorf Am Schauspielhaus arbeitet Ute Kessler seit 30 Jahren als Schulreferentin und kümmert sich um Projekte mit Schulen. Mit der ehemaligen Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters, Barbara Oertel-Burduli, hat sie eng zusammengearbeitet und war auch als Dramaturgin tätig.