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Ein kleiner Blick auf das Phänomen „Festivals“

Feuilletönchen – Die Kulturkolumne : Ein kleiner Blick auf das Phänomen „Festivals“

In der heutigen Folge unserer Kulturkolumne denkt unser Redakteur über das Wesen von „Festivals“ nach – indes nicht nur jene, die unter freiem Himmel stattfinden.

Es scheint – zumindest wenn es um Genres geht, die an Institutionen wie Theater oder Konzertsäle geknüpft sind – durchaus naheligend, dass man in der Zeit, wenn diese Häuser in ihre wohlverdiente Pause gehen, Raum hat für dieses so sonderbare Phänomen Namens Festival. Sonderbares Phänomen? Wieso eigentlich sonderbar? Man braucht gar nicht erst in tiefschürfende kulturhistorische Analysen abzutauchen, es reicht, sich die Stimmung, die Atmosphäre – die indes stets von Fall zu Fall etwas anders eingefärbt ist – auf sich wirken zu lassen.

Es ist Sommer, nicht selten haben zumindest die, die nicht hinter oder auf der Bühne stehen, Urlaub, viele reisen von weit an, um sich ein spezielles Festival anzuschauen, haben sich vermutlich schon das ganze Jahr darauf gefreut. Festivals sind neben der spezifischen kulturellen Blase, die sie bilden, und die oft Raum für eher speziellere Interessen oder ungewöhnlichere Programme lässt, vor allem und im Kern ihres Wesens auch Feste – wie der Name schon suggeriert. Feste, bei denen eine manchmal engere, manchmal breitere Zielgruppe das Gefühl vermittelt bekommt, „unter sich“ zu sein. Ein Hauch Sommerfreizeit-Stimmung. Gehört man indes nicht zur der eingeschworenen Gemeinschaft, kann es durchaus passieren, dass man sich ausgegrenzt fühlt – inwieweit das ein Gerücht oder Realität ist, muss jeder selbst ausprobieren.

Der „festliche Aspekt“ spiegelt sich zunächst darin, dass über einen definierten Zeitraum an einem definierten Ort nicht nur Kultur – sei dies Musik oder Theater, Tanz oder Sprache – präsentiert wird, sondern auch ein, nicht selten feierlicher, vor allem aber dem Genre angemessener Rahmen das künstlerische Geschehen umschließt. Dazu gehören Gastronomie, liebgewonnene Traditionen, wie etwa bestimmte Partys, die sich in das Festival einbetten, oder auch eine bisweilen übersteigerte Kommerzialisierung des „Drumherum“. Manchmal wird sogar dieser Fest-Charakter dominant, rückt die eigentliche Kunst in den Hintergrund. Doch es liegt mir fern, Festivals madig machen zu wollen. Denn Teil des Phänomens ist eben jenes Gesamtpaket, das über den Saison-Alltag hinaus gehen muss, um attraktiv zu sein.

Auch in Düsseldorf gibt es viele Festivals, teils mit großer Tradition. Auch hier ist die Waage zwischen Kommerz und Kunst bisweilen fragil. So oder so, es lebe der Festivalsommer, denn diesem gelingt, eine sonst kulturell brachliegende, sommerhitzige Stadt mit bunter Kreativität zu füllen.