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Ein Gesang, der zu Tränen rührt

Ein Gesang, der zu Tränen rührt

Perfekt gelungene Premiere von Igor Strawinskys „Nachtigall“.

Düsseldorf. Die musikalisch vielschichtige, harmonisch raffinierte, nicht mit Dissonanzen sparende Partitur Igor Strawinskys zu seiner Märchenoper „Die Nachtigall“ nach Hans Christian Andersen überfordert manchen Erwachsenen. Kinder stehen den klingenden Herausforderungen des 20. Jahrhunderts erfahrungsgemäß offener und neugieriger gegenüber. So ist es auch bei der Premiere im Duisburger Theater der Deutschen Oper am Rhein.

Das Haus ist gut besucht mit Kindern ab sechs Jahren und ihren Begleitern. Die anfängliche Unruhe legt sich, sobald im Saal das Licht gedämpft wird, aus dem Orchestergraben die ersten sanften Takte dringen und auf der Bühne innerhalb einer Minute eine Welt üppiger Vegetation aus dem Boden wächst. Auf einer Schaukel aus Schlingpflanzen sitzt die Nachtigall (mit leichtem, flexiblem Sopran: Julia Elena Surdu) und setzt mit ihrem Gesang den Fischer (Tenor Corby Welch) und andere Figuren in Entzücken.

Getarnt mit Kaktus-Hüten, befinden sich auch drei Informanten des chinesischen Kaisers im Publikum der Nachtigall. Der Kaiser lade den Singvogel in seinen goldenen Palast ein, so deren Botschaft. Szenenwechsel: Der Wald verwandelt sich in einen Großstadtdschungel mit grellen Leuchtreklamen — chinesischen wohlgemerkt. Schließlich taucht der Hofstaat auf, und der Kaiser erscheint in Form einer überlebensgroßen in Anzug und Krawatte steckenden Puppe, deren Gesichtszüge ein wenig an die des chinesischen Präsidenten Hu Jintao erinnern. In der Konstruktion steckt der normalgroße Kaiser (Stefan Heidemann), der seine grimmige Puppenfestung erst verlässt, als ihn der Nachtigallengesang zu Tränen rührt.

Regisseurin Svenja Tiedt, Choreografin Amelie Jalowy sowie Bühnen- und Kostümbildner Tatjana Ivschina setzen die Oper mit allen Schikanen des Illusionstheaters in Szene. Wo ein Fluss auftauchen soll, flimmert ein Film mit sich wellenförmig bewegendem Wasser über den gasig-transparenten Bühnenschleier. Die Produktion wirkt alles andere als bemüht kindgerecht. Man setzt auf die Magie des Stückes, und solchen Inszenierungen faszinieren nicht nur Sechsjährige. Auch die erwachsenen Besucher der Rheinoper würden in einer Premiere gerne mal wieder so staunen können.