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Ehrenplatz für Schadows Jüngstes Gericht

Ehrenplatz für Schadows Jüngstes Gericht

Das Bild „Himmel, Fegfeuer und Hölle“ geht frisch gereinigt ans Kunstmuseum.

Düsseldorf. Friedrich Wilhelm von Schadow (1788-1862) war ein Glück für Düsseldorf. Als er 1826 aus der Metropole Berlin in die niederrheinische Provinzstadt mit ihren 30 000 Einwohnern kam, brachte er die Kunstakademie zu neuer Blüte, gründete den Kunstverein und sorgte für „Geschmack und Bildung“, wie er es nannte. Mit ihm erwachte das kulturelle Leben der Stadt. Umso erfreulicher ist, dass jetzt sein letztes Werk, das dreigeteilte „Jüngste Gericht“, bestehend aus „Himmel, Fegfeuer und Hölle“, als Dauerleihgabe des Landgerichts ins Museum Kunstpalast kommt. Das Triptychon, soeben frisch gereinigt, hat eine Odyssee hinter sich.

Das kolossale Bild (3,5 mal 9,18 Meter) gab der kunstliebende Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. bei Schadow in Auftrag. Nach Auskunft der derzeitigen Gerichtspräsidentin Anne-José Paulsen ging es 1854 an die Stadt Düsseldorf, die es dem Landgericht überließ. Dort hing es ohne Rahmen am Eingang zum Schwurgericht. Die unteren, kleineren Bilder waren seit dem Majdanek-Prozess (1975 bis 1981) abgehängt und archiviert. Die Farben zeigten damals sehr dunkle Stellen, einige Partien waren stümperhaft übermalt.

In den Neubau des Land- und Amtsgerichts am Oberbilker Markt durfte Schadows Triptychon nicht mit umziehen — zu groß und zu düster lautete die Begründung.

Inzwischen sind jedoch alle Spuren der Alterung verschwunden. Die Restauratoren haben dem Werk für 30 000 Euro die alte Frische zurückgegeben. Die Kosten übernahm das Gericht, die Rahmen steuerte das Museum bei. Nun steht es als Blickfang im großen Saal des Kunstpalastes — als Vorhut der Ausstellung über die Düsseldorfer Malerschule. Bettina Baumgärtel, Abteilungsleiterin der Gemäldegalerie und Kuratorin der Schau, erklärt das Werk: „Es ist typisch für den Stil der Nazarener, jener Künstlergruppe, die sich die Renaissancekunst, vor allem Raffael, zum Vorbild nahm. Schadows Kunst gilt als religiös-poetisch.“

Schadows Werk sei ein „Lehrstück, um die Menschen zum Besseren zu führen.“ Für die beredten Gesten der Figuren hätten ihm Studenten Modell gestanden, um die Botschaft der Versöhnung zu übermitteln. Baumgärtel: „Es gibt Juden, Christen und Menschen islamischer Religion in dem Bild, und alle sehnen sich nach Gott. Ein moderner Gedanke.“ Das letzte der drei Bilder, die „Hölle“, mussten Dritte dem fast erblindeten Maler ausführen.