Düsseldorfs Kulturmeile soll ein Ei werden

Düsseldorfs Kulturmeile soll ein Ei werden

Der Rektor der Kunstakademie forciert die Diskussion, wie die Stadt ihre Kulturinstitute mit einander verbinden kann. Auf die Lösung mit dem Ei kam er mit Hilfe von Plänen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Diskussion um die Kulturmeile hat eine neue Dimension — und zugleich eine Lösung für ihre bisheriges Hindernis. Karl-Heinz Petzinka, der Rektor der Kunstakademie, hat das Problem beseitigt, dass die Meile im Irgendwo endet. Sein Rundweg führt vom Ehrenhof über die Kö zum Regierungsviertel und am Rhein wieder zurück. Dadurch wird die Meile sozusagen zum Ei.

Karl-Heinz Petzinka ist Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. Foto: Melanie Zanin

Eine Lücke gab es bisher zwischen Kö und Ständehaus. Die Lösung fand Petzinka in einem Plan von Gartenbaumeister Maximilan Weyhe (1775-1846). „Darin sieht man sehr schön, dass es eine Verbindung vom Hofgarten über die Königsallee gibt. Die Kö knickt am Rosengarten ab, um mitsamt dem Graben zum Kaiserteich zu führen. Dass die Kö als Allee um die Ecke ging, ist eine sonderbare Planung.“

Gartendenkmalpfleger Tobias Lauterbach bestätigt die Pläne. Sie liegen im Stadtmuseum und seien bekannt. Er erklärt: „Als 1801 die Befestigungsanlagen geschleift wurden, entstand ein System aus Wasserflächen, Wassergräben und Parks. So wurden Hofgarten, Königsallee, Schwanenspiegel und Kaiserteich geschaffen. Der südliche Teil des Stadtgrabens wurde jedoch am Graf-Adolf-Platz um 1850 verfüllt.“ Zur Orientierung: Wo heute in der Nähe des Hochhauses GAP15 die Lichtbänke stehen, floss unterirdisch der Stadtgraben in Richtung Kaiserteich. „Wir wollen solche Bänke am Graf-Adolf-Platz fortsetzen“, sagt Lauterbach.

Petzinka denkt allerdings weniger an eine Stadtmöblierung als an eine städtebauliche Neu-Orientierung. Gemeinsam mit Planungsdezernentin Cornelia Zuschke entwickelt er die Kunstmeile, die die Kulturinstitute verbindet. Das könnte eine grüne Kulturachse bis zum Landtag werden. Er bespreche derlei Themen laufend mit seinen Kollegen, mit Felix Krämer vom Museum Kunstpalast, Susanne Gaensheimer von der Kunstsammlung und Alain Bieber vom NRW-Forum.

Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte zu Beginn des Jahres und auf der Immobilienmesse Mipim erklärt, dass er die Kulturinstitute besser verknüpfen will. „Die ikonischen Gebäude der Kunststadt Düsseldorf wie Kunstakademie, Ehrenhof, Kunsthalle, Kunstsammlung müssen wir verbinden. Die Verlängerung der Rheinuferpromenade ist auch dabei, aber das ist nicht die wichtigste Herausforderung.“

Das städtebauliche Problem sieht Geisel in der Kunstakademie: Sie sei am Rande der Altstadt und neben der Oberkasseler Brücke völlig isoliert, nicht erschlossen. Es sei noch nicht einmal erkennbar, wo die Vorderseite, wo die Rückseite und wo der Eingang ist. „Sie lag früher am Wasser, doch der Hafen wurde zugeschüttet. Die Frage muss nun sein, wie man drei Straßen überwindet, die dazu da sind, dass man vom Tunnel kommend auf die Oberkasseler Brücke gelangt“, sagt Geisel. Die Straßen sind Oederallee, Fritz-Roeber-Straße und die Rampe der Oberkasseler Brücke. „Wir müssen Ehrenhof und Kunstakademie auf intelligente Weise verbinden.“ Noch komplizierter sei es, die Kunstakademie mit dem Grabbeplatz zusammenzubringen.

Petzinka forciert derlei Überlegungen. Beim Blick aus dem Akademiefenster zum Ehrenhof sagt er: „Stellen Sie sich einmal vor, die Wiese des Ananasbergs im Hofgarten würde über die Oberkasseler Brücke hinwegführen. Die Brücke bliebe, aber der Park ginge darüber hinweg. Oder stellen Sie sich vor, die schräge Wiese zwischen Akademie und Rampe wird Baugrundstück. Die Akademie hätte endlich einen Platz und ein Gegenüber.“

Geisel plant eine Bürgerbeteiligung, die zur Ausschreibung eines Wettbewerbs führen soll, den er zum Jahresende in Auftrag geben will. Derweil denkt Petzinka schon an die nächsten Schritte, sobald der Sieger aus dem Wettbewerb feststeht. Dann soll es Arbeitsfelder geben zur Akademie, zur „Regierungsstadt“, zum Hofgarten und zur Umgebung der Tonhalle.

Das Land soll sich an den Plänen beteiligen, hoffen der Oberbürgermeister und der Akademiedirektor. Petzinka erklärt: „Das Dezernat der Kulturministerin ist eingeweiht, wir wollen auch den Ministerpräsidenten gewinnen. Denn nur so können wir die Landeshauptstadt zur Kulturmetropole machen.“

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