Düsseldorfer Seniorentheater zeigt Auftragskiller-Stück

Theater : Seniorentheater im FFT: Wie man einen Auftragskiller loswird

Das Seniorentheater Seta zeigt ab Mittwoch das Stück „I hired a contract killer“. Die Darsteller sind zwischen 65 und 80 Jahre alt.

Henri Boulanger hat die Nase voll. Vom Leben. Er will endlich das Zeitliche segnen und heuert einen Killer an. Anonym. Das heißt: Er kennt seinen bestellten Mörder nicht. Doch kurz bevor er sterben soll, lernt der Franzose, der als kleiner Angestellter in London lebt, die Liebe seines bisher so tristen Lebens kennen. Und will den Mörder abbestellen. Doch so einfach ist das nicht in dem Streifen „I hired a contract killer“ der 1990er Jahre vom finnischen Filmemacher Aki Kaurismäki. Allerhand abstruse, komische Szenen enthält auch das gleichnamige Stück, das das Seniorentheater (Seta) am Mittwoch herausbringen wird. Die Premiere und die vier folgenden Vorstellungen gehen, wie gute Seta-Tradition, im früheren Juta, dem heutigen FFT, an der Kasernenstraße über die Bretter.

In pausenlosen 90 Minuten werden die Laien-Mimen im Alter von 65 bis 80 die Szenen spielen. Die Textfassung stammt von Kathrin Sievers, die sich am Drehbuch von Kaurismäki orientiert und nicht an der ursprünglichen Roman-Vorlage von Jules Verne. 1879 veröffentlichte Jules Verne ihn unter dem Titel „Die Leiden eines Chinesen in China“ (Original: „Les tribulations d’un Chinois en Chine“).

Die drei Hauptfiguren (die Seta-Darsteller sind Mitte 60): der vorübergehend lebensmüde Monsieur Boulanger (Georg Graf), seine neue Geliebte Margret (Angelika Niedhart) und der Killer (Peter Schilder). Allerlei Verwirrungen stiftet Henri Boulanger, weil er den Auftragsmörder einfach nicht finden kann.

Für die Regisseurin ist Einsamkeit das Hauptthema

Es geht „um Menschen in einer Großstadt, eigensinnige Außenseiter, die aus dem Raster fallen und ältere Menschen in einer auf Jugend getrimmten Gesellschaft“, erklärt Kathrin Sievers. Für die Regisseurin – sonst in Duisburg und am Wolfgang-Borchert-Theater in Münster tätig – ist aber das Hauptthema die Einsamkeit. Boulanger will anfangs sterben, weil er außer seinem Beruf nichts hat.

„Dieses Problem verbindet die Figuren im Stück mit vielen Senioren der Gesellschaft heute“, meint Sievers, die damit ihre dritte Seta-Produktion präsentiert. Bei der Auswahl der Stoffe lässt der Seta-Verein der Regisseurin frei Wahl. Dass sie ein sicheres Gespür dafür hat, beweist die große Resonanz, auch beim Publikum. Ihre „Peer Gynt“-Inszenierung von 2017 wurde mit dem Deutschen Amateur-Theaterpreis ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die seit zehn Jahren vom Bund deutscher Amateur-Theater ausgelobt wird.

Mit reichlich Musik (u.a. Songs von Elvis Presley und Billy Holliday) hat sie die Bühnen-Fassung des Films angereichert. Auch hat sie einige Streichungen vorgenommen. Die Textmenge muss von Nicht-Profis im Seniorenalter gestemmt werden können, meint sie. Dafür kommen die ironischen Regie-Anweisungen von Kaurismäki hinzu, die auf der Bühne von einem Erzähler gesprochen werden.

Seit Ende Januar proben Sievers, zehn Frauen und acht Männer der Seta-Truppe. Mit ihnen ein Stück vorzubereiten, ist für sie als Theater-Profi ein besonderer Reiz: „Die älteren Menschen sind tolle Typen und so authentisch. Sie tragen, anders als junge Schauspieler, ein ganzes Leben in sich.“

Auch im nächsten Jahr, wenn das Seta 30-jähriges Jubiläum feiern wird, will Sievers ein geeignetes Stück mit dem Seniorentheater herausbringen. Darauf baut der Verein mit 30 Mitgliedern, der sich über Zuwachs freut. Wer Interesse hat, kann sich beim Seta melden. Kontakt zur Theatergruppe unter Telefon 94213209 oder per Mail:

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