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Düsseldorfer Kunstakademie lädt zum Sommerrundgang ein

Sommerrundgang an der Düsseldorfer Kunstakademie : Die Kreationen der Absolventen

Der traditionsreiche Sommerrundgang der Düsseldorfer Kunstakademie zeigt die Arbeiten erstklassiger Absolventen.

Seit Kurzem gibt es 52 junge freie Künstler und Künstlerinnen mehr, die ihren Meisterbrief in den Händen halten und nun in die Welt ausschwärmen, um etwas aus ihrem Studium an der ehrwürdigen Düsseldorfer Akademie zu machen. Einige zucken noch mit den Schultern, wenn man sie fragt, wie es weitergeht. Manche wissen schon sehr genau, dass sie sich und wo sie sich bewerben wollen. Andere sagen mit hoffnungsvollem Unterton: Es wird sich finden.

So wie dieser Jahrgang von Corona in der Schlussphase überschattet war, so wird er neue Herausforderungen meistern. Dabei ist der Markt für junge Kunst diffizil, gut ist es, wenn man Stipendien oder Ausstellungen vorzuweisen hat.

Es sind Absolventen aller Klassen, aus Bildhauerei, Baukunst und Malerei, Installationskunst oder Fotografie und Video. Die Professorenriege ist international, die Studierenden sind es auch. Von Klassenraum zu Klassenraum flanierend, erlebt der Besucher in der Düsseldorfer Lehranstalt der Kunst echte Weitläufigkeit.

Raum 001 ist der perfekte Auftakt, die US-amerikanische Professorin Rita Mc­Bride stellt dort ihre asiatische Studentin Dingliu Yang vor, die am liebsten Englisch spricht. Ihr Werk liefert eine Einstimmung zu dieser Tour d‘Horizon: In Rahmen gesetzt oder einem goldglitzernden Podium beigegeben sind ihre extremen Videobilder, von winzig bis riesengroß. Naturereignisse voller Kraft, Vogelflug, Wassersturzbäche, ein sich im Wind unruhig wiegendes Feld.

Wenig weiter, in Raum 009, haben sich zwei Absolventinnen der Klasse Koenraad Dedobbeleer vereint: Die eine, Sonja Hendricks, sprüht ihre Bilder auf die Wand, die andere hat den Raum in eine Multimedia-Bühne verwandelt mit Podium, rotem Teppich und Mikrofon. Kuriosen Herausforderungen kann sich der Besucher stellen und sich selber produzieren in einem Parcours der absonderlichsten Art. Das Künstler(da)sein mit allen Marotten nimmt sich Emma Schmieding parodistisch vor, zum Beispiel hängen am lehrerhaften Zeigestab schwere Gewichte.

Es ist der letzte Rundgang unter Rektor Karl-Heinz Petzinka (66), der – wie berichtet – vor einer Woche überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte. Seinen Studierenden zuzuhören ist aufschlussreich, erfährt man so ganz nebenbei, dass ausgerechnet der Professor für Baukunst die Freiheit der Kunst hochgehalten habe. Petzinka habe ihn gelehrt, zu schauen und zu erkennen, sagt sein Meisterschüler Christian Benner (Raum 102). Auch, dass man mitunter seine eigene Komfortzone verlassen müsse, um Formen zu finden für das, was man ausdrücken will. Künstlerische Architektur war das erklärte Ziel für den frisch gebackenen Baukünstler, der zuvor Bauzeichner gelernt und Architektur studiert hatte. In Düsseldorf habe er seine Eigenheiten entdecken können. Bei anderen werde mehr dirigiert, sagt Benner. Und: „Petzinka als konservativ zu bezeichnen, ist konservativ.“ Mit ihm gehe auch ein Stück Freiheit.

Weitläufig entfaltet der 32-Jährige seine gebauten und gezeichneten Landschaften, er erzählt Geschichten aus der Heimat seiner philippinischen Mutter und zeigt, was aus Schatten herauszuholen ist. „Orte seines Lebens“ hat er in das Konferenzzimmer hineinkomponiert, krasser könnte der Gegensatz nicht sein zwischen den alten Holzmöbeln – vom ehemaligen Rektor Hans Schwippert entworfen – und den tiefgrau bis schwarzen Zeichen, die Benner erinnernd an Herkunft und Familienbande setzt. An anderer Stelle klingt die Baukunst pragmatisch: Bei Professor Thomas Kröger stellen Sascha Lehnhardt und Alexander Horbach ihr Projekt „Can you imagine“ vor, das sie über lange Zeit im Stadtteil Gerresheim umgetrieben hat. In einem temporären Stadtentwicklungspavillon haben sie einen kollektiven Prozess gesteuert, um räumliche und soziale Dimensionen zu erkunden, Perspektiven zu eröffnen und ihre Forderung einzubringen, den sogenannten öffentlichen Raum neu zu verhandeln. Baukunst kann poetisch, aber auch politisch sein.

Der Rundgang lohnt wie immer wegen der Konfrontation mit der jungen Künstlerschaft und all ihren Anregungen. Mitunter wird man lächeln – wie bei dem dampfenden Komposthaufen in Raum 217 von Tristan Drobik, der in einem ernsthaften Kontext von „Klimata“ steht, oder bei den fantastischen Malerräumen der Professoren Sabrina Fritsch und Thomas Scheibitz. Einen völlig neuen Ton schlägt in der Malerei Alexander Basil in Raum 114 an. Der Meisterschüler von Tomma Abts untersucht mit seinen Alter-Ego-Kumpeln die eigene Häuslichkeit, als Methode interessiert ihn die Verlangsamung, verschiedene Größenverhältnisse findet er spannend. Eigenwillig konstruiert er Bildräume, koloriert in ungewohnten Fleischfarben mit einem Schuss Humor. Ein Tatort „meine trostlose Kochzeile“, mit Kippen, Blut, Teebeuteln, Herdplatten und PC. Der 25-Jährige hat schon viel ausgestellt und kann als Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie zuversichtlich in die Zukunft blicken.