Düsseldorfer Komödie Steinstraße zeigt "Der Bär" und "Der Heiratsantrag"

Premiere: Zwei äußerst lustige und gelungene Einakter in der Komödie Steinstraße

Die zwei Zwei-Mann-Stücke von Anton Tschechow gelingen den Schauspielern besonders gut.

Nicht nur, was sich vornehm neckt, auch, was sich heftig streitet, liebt sich. Diese Erkenntnis steht am Ende von „Der Bär“ und „Der Heiratsantrag“ – zwei Einaktern von Anton Tschechow, die jetzt in einem neuen Format der Komödie zu erleben sind. Außerhalb des regulären Spielplans zeigten Slim Weidenfeld, Verena Wüstkamp und Markus Rührer, wie viel Situationskomik und derber Spaß in diesen kurzen und kurzweiligen „Scherzen“ stecken. Der russische Dramatiker, sonst eher für seine ernsten und nachdenklichen Theaterstücke bekannt, beherrscht auch die Klaviatur des leichtfüßigen Schwanks.

Freilich bleibt Tschechow in seinem Milieu: Rittergutsbesitzer und Gutsherren. In „Der Bär“ trauert die verwitwete Helena Iwanowna um ihren Mann. Leise, vornehm kultiviert sie ihren Schmerz, sticht vor lauter Gram ein Messer in das Bildnis des geliebten, aber stets untreuen Göttergatten. Bis plötzlich der herbe, derbe Grigori Stepanowitsch in dreckigen Stiefeln das Trauer-Haus stürmt und einen Batzen Geld fordert, das Helenes Mann ihm schuldete. Grigori poltert umher, fläzt sich auf dem feinen Sofa und will nicht weichen, bevor die Witwe die Schulden beglichen hat. Ein lauter Streit entwickelt und steigert sich, angereichert mit allerlei Kraftmeierei, bis die beherrschte Dame die Fassung verliert. Sie brüllt, der „Flegel“ fordert sie zum Duell auf. Sobald Madame die Pistolen präsentiert, wird Grigori, eben noch Frauenverächter, weich und, man ahnt es schon, verknallt sich. Slim Weidenfeld und Verena Wüstkamp treiben die Späße auf die Spitze, spielen sich in der Inszenierung von Michael Schäfer frei und ernten manche Lacher.

Noch komischer gelingen die Slapsticks im „Heiratsantrag“, den der schüchterne Junggeselle Iwan – in Frack, Flieg und Zylinder – der Tochter des benachbarten Gutsherrn Stepan unterbreitet. Dass Natalja und Iwan für einander geschaffen sind, ist sofort klar. Doch verwickeln sich die beiden in aberwitzigen Zank und Streit über eine Ochsenwiese, später über Jagdhunde. Auch hier steigert die Frau ihre Attacken liebend gern, während Hypochonder Iwan seine Wehwehchen hegt und ständig mit seiner Herzschwäche argumentiert (eine Glanznummer von Weidenfeld). Er will die widerborstige, vor Wut stampfende Natalja (auf die Spitze getrieben von Verena Wüstkamp) zähmen, zum Einlenken bewegen. Was nur auf Umwegen gelingt. Fazit: Gut gebaute Dialoge, mit Spielfreude und saftiger Komik über die Rampe gebracht. Knapp 90 Minuten, inklusive Pause.

Termine: 17., 24. März, 7. April (14 Uhr), 8. April, 20 Uhr. Telefon 133 707

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