Düsseldorfer Galerie: Mit Malerei gegen die digitale Welt

Kunst : Düsseldorfer Galerie: Mit Malerei gegen die digitale Welt

Die Galerie Beck & Eggeling schlägt eine Bresche für die Kunst mit Pinsel und Farbe. Die Kleinformate sind eine Sensation.

Hartmut Neumann ist ein berühmter Maler aus Köln, er war lange Zeit Malereiprofessor in Braunschweig. Nun hat er bei Beck & Eggeling eine Ausstellung unter dem Titel „Geheimnis der Dinge. Malstücke“ kuratiert. Es ist der Blick des Malers auf seine Kollegen. Die einzige Bedingung, die er seinen Freunden stellte: Er wollte auf den Leinwänden weder Mensch noch Tier sehen. Letztlich ging es ihm um die Verwandlung des Gegenstands in Farbe und Form. „Malstücke“, ein Begriff, den es im Duden gar nicht gibt, sind kleine Formate. Sie bringen etwas Persönliches mit. Entstanden ist keine Schau mit musealen Superbildern, sondern kleinen, feinen Kostbarkeiten.

Eine Geste gegen Werke der künstlichen Intelligenz

Die Schau ist aber auch eine demonstrative Geste gegen alles, was mit künstlicher Intelligenz, Medienkunst und Internet zu tun hat. Eine Kunst mit Pinsel, Farbe und Leinwand. Mehr nicht. Ein Werk für Hand und Auge. Sie kommt gerade recht. Denn im nächsten Jahr planen die Kunstmuseen in Bonn, Wiesbaden und Chemnitz einen großen Überblick über junge Malerei nicht als installative und raumgreifende Arbeiten, sondern auf dem begrenzten Platz eines Tafelbildes.

Beck & Eggeling hat natürlich nicht die Kapazitäten von drei Museen, aber ein Who is Who der Malerei ist es dennoch geworden. Die Künstler, die sich diesem Medium widmen, leben keineswegs hinterm Mond. Sie sind auch nicht altmodisch, weil sie ohne Internet und Computer auskommen. Für sie ist der Umgang mit Pinsel und Farbe eine sehr ernste Angelegenheit.

Selbst die Tobias-Brüder beweisen plötzlich mit ihren farbigen Skeletten aus dem Naturkundemuseum, dass sie neben ihren großformatigen Farbholzschnitten als Maler bestehen können. Ulrich Pester, lange Zeit Tutor von Neumann, lässt eine Schere auf einem Bein marschieren. Simon Pasieka, inzwischen von Köln nach Paris verzogen, kam eigens eingeflogen, um die Schau zu beäugen. Er malt Erinnerungen, Spuren seines Lebens. Er ist ein Romantiker, der in seinen intimen Bildern dem Betrachter Rätsel aufgibt.

Wer will, kann freie Kleinformate von Leiko Ikemura bewundern, als ihre Werke noch die Qualität von Morandis verträumten Stillleben hatten. Selbst der Superstar Norbert Bisky ist sich nicht zu schade, mit Minis dabei zu sein, obwohl er normalerweise zwischen London, Wien, Sao Paulo und Madrid in den wichtigsten Instituten gastiert.

Die Ausstellung wandert 2019 zur Kunsthalle Recklinghausen

Thomas Werner aus Frankfurt lässt aus dem dunklen Braun des Fonds die Farbe emporsteigen. Lutz Driessen beweist, dass man selbst mit ollen Motiven wie einem Kackhaufen die Prinzipien der konkreten Kunst durchspielen kann. Selbst Karin Kneffel, diese berühmte und großartige Künstlerin, hält sich ans kleine Format und spiegelt im Motiv des Lehmbruck-Museums die Sammlervitirinen und die museale Atmosphäre des Duisburger Hauses.

Eine besondere Überraschung ist Wolfgang Ellenrieder aus München, Nachfolger von Hartmut Neumann als Professor an der Kunsthochschule Braunschweig, Er sorgt mit einem kleinen Lampenmotiv für eine ungeheure Augenlust. Seine Lampe aus diesem Jahr ist nur 31 x 27 Zentimeter groß. Ein Mini also. Dennoch strömt sie ein Licht aus, das voller Geheimnis ist und sich dennoch scheinbar aus dem kleinen Bilderrahmen drängelt.

Neumann hat sich sogar Bilder ausgeliehen, um eine runde Schau zu präsentieren. So sind die längst verstorbenen Künstler Norbert Schwontkowski, Norbert Tadeusz, August Macke, Dieter Krieg und Bruno Goller dabei. Fast schon eine Totale ist es, die kein Malerei-Freund verpassen sollte. Und selbst Konrad Klapheck, der Altmeister früher Maschinenbilder, lässt mit „Zwei Schellenelementen“ von 1958 grüßen.

Info: Die Ausstellung läuft in beiden Häusern von Beck & Eggeling an der Bilker Straße 4 + 6 bis 2. Februar 2019. Anschließend wird sie in einem noch größeren Umfang in der Kunsthalle Recklinghausen vom 17. Februar bis 14. April zu sehen sein.

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