Düsseldorfer "Destille" lud zum Autorenfrühstück ein

Plattform für Literaten : „Ein Autor wird durch Lesungen zur Marke“

Die „Destille“ lud zum Autorenfrühstück ein, bei dem Schreibbegeisterte ihre Texte vorstellen konnten.

Kurz noch mal das Mikrofon zurechtgerückt, das Manuskript liegt bereit, ein tiefer Atemzug und los geht’s. Michaela Zernicke stellt sich ihrem Publikum kurz vor und liest dann einen Auszug aus ihrem inzwischen dritten Roman „Liebe nervt“. Zehn Minuten hat die Autorin dafür Zeit, danach gibt es konstruktive Kritik von ihren Zuhörern.

Jeden dritten Samstag im Monat treffen sich in der „Destille“ Schreibbegeisterte zum „Autorenfrühstück“. Vor rund zehn Jahren ins Leben gerufen von Elisabeth Esch und Detlef Knut. Die Schriftstellerin und der Herausgeber wollten damit den Autoren eine Plattform schaffen,  ihre Texte vor Publikum auszutesten – ob bereits veröffentlicht oder noch in der Anfangsphase. Die besondere Hausforderung: Während der Lesung läuft in der Kneipe der Betrieb weiter. Das ist bewusst so gewählt. „Es ist gar nicht so leicht, vor anderen zu lesen und man muss auch mit störenden Nebengeräuschen klarkommen“, weiß Elisabeth Esch aus eigener Erfahrung, und Detlef Knut ergänzt: „Ein Autor wird bekannt durch Lesungen und sein Name ist die Marke, nicht seine Bücher“. Daher rät er auch allen, die an diesem Samstagvormittag in die urige Altstadtkneipe gekommen sind, sich zuerst kurz vorzustellen.

Michaela Zernicke bekommt nach ihrem Vortrag ein paar wertvolle stilistische Tipps und ein Lob dafür, dass sie während der Lesung auch immer mal wieder den Blickkontakt zu ihrem Publikum gesucht hat.

Es gibt nur eine Vorgabe beim „Autorenfrühstück“, der Vortrag darf nicht länger als zehn Minuten sein, damit möglichst viele in den eingeplanten zwei Stunden drankommen. Die gewählte Form reicht von der Romantic Fantasy, wie sie Michaela Zernicke schreibt, über Krimis und Kurgeschichten bis hin zu Lyrik oder Fabeln. Genau dieses Genre hat Philipp gewählt und erzählt von einem Frosch, der gerne eine Kröte sein möchte. Seine Geschichte kommt gut an, wenn er auch den Rat bekommt, zukünftig noch etwas an seinem Vorlesestil zu feilen.

„Wir haben oft Autoren hier, die regelmäßig kommen“, verrät Detlef Knut. Mal würden sie sich Feedback zu Manuskripten holen, an denen sie gerade arbeiten, ein anderes Mal stellen sie Texte vor, die vielleicht ein Buch werden könnten.

Eine Voranmeldung gibt es nicht. Wer kommt, darf in der Regel auch lesen, wenn es der zeitliche Rahmen zulässt. „Wir gehen nach der Reihenfolge der Eintreffenden“, stellt Elisabeth Esch klar.

Esther Samson ist zum ersten Mal da. Die gebürtige Nigerianerin ist extra aus Monheim angereist, um ihren Roman „Liebe südlich der Sahara“ vorzustellen. Nicht ihr erstes Buch, aber ihr erster fiktionaler Text, der zuerst auf Englisch erschienen ist. Es geht um eine Liebesgeschichte, die zwei Kulturen vereint. Drei Kapitel trägt Esther Samson vor. Die hat sie mit Bedacht ausgewählt, denn ihre Zuhörer sollen nicht nur die Protagonisten kennen lernen, sondern auch einen Eindruck der Schwierigkeiten bekommen, die für das Paar eine Herausforderung darstellen werden.

Die Mutter eines Sohnes bekommt viel Lob für ihren Text und ebenfalls ein paar wertvolle Tipps. „Genau deshalb bin ich hergekommen“, resümiert Esther Samson. „Nur durch die Rückmeldung der Zuhörer, kann ich dazulernen.“

Viele der Autoren, die gekommen sind, verlegen ihre Werke selbst. Die Gründe sind so vielfältig, wie die Texte. Doch gemeinsam ist ihnen allen, dass es schwer ist, Verlage zu finden, die bereit sind in Nachwuchsautoren zu investieren. Angebote, wie das „Autorenfrühstück“ sind für sie daher Schreibwerkstatt und Experimentierfeld, aber auch eine Möglichkeit, sich in der Selbstvermarktung auszuprobieren.

Das nächste „Autorenfrühstück“ gibt es am 21. September in der „Destille“, Bilker Str. 46. 11 bis 13 Uhr. Eintritt: frei.

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