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Düsseldorf: Wie Ferdinand Kriwet auf Zero traf

Kultur Kompakt : Wie Ferdinand Kriwet auf Zero traf

Ein unterschätzter Künstler könnte nach seinem Tod wiederentdeckt werden.

Sein NRW-Wappen im Landtag wird von Besuchern als originell wahrgenommen, aber kaum jemand kennt den Künstler oder fragt nach ihm. Und gerade mal ein gutes Dutzend Leute interessierte sich dafür „Wie Ferdinand Kriwet auf Zero traf“ an diesem regnerischen Abend in der Zero Foundation.  „Ich glaube, er wird unterschätzt“, seufzt der Kieler Kunst-Professor Klaus Gereon Beuckers. Es gibt kein Werkverzeichnis. Sein Nachlass lagert in Bremen „bei der Dame, die ihn zuletzt gepflegt hat“ (wo der 1942 in Düsseldorf geborene Künstler im Dezember 2018 starb). Er ist in einigen Sammlungen vertreten, aber kaum in einer Galerie.

Kriwet war früh dran, wahrscheinlich zu früh. Als er 1961 zu Zero in den Keller an der Hüttenstraße zog, hatte er schon sein Buch „Rotor“ bei Dumont veröffentlicht. Er war ein Autodidakt, dabei aber bestens vernetzt in der damaligen Kunstszene, hat in der legendären Künstlerkneipe „Creamcheese“ wilde Muster auf tanzende Körper projiziert. Aber er war eben nie „an der Akademie“, ein Makel, gerade in Düsseldorf. Kriwet, aufgewachsen und rausgeschmissen (mit 14 wegen Alkoholmissbrauch) aus diversen Internaten, entwickelte sich selber zum Multitalent: Malerei, Musik, Literatur, Poesie, Hörspiel, Film – Sehtexte, Hörtexte, Textfilme - wie eine Kerze, die an zwei Enden verbrennt.

Kriwet schuf Texte mit einer verblüffenden visuellen Qualität, tippte mit einer eigentlich für Buchhaltung vorgesehenen Schreibmaschine mit überdimensionalem Wagen Breitwand-Textlandschaften. Lesbar, aber völlig anders in der Wahrnehmung. Aber der Markt mochte da noch nicht richtig mitmachen. „Alle finden es interessant, aber keiner kauft’s“, soll Kriwet damals sein Schicksal beschrieben haben. Heute, in unserer multimedialen schnelllebigen Zeit hätte er vielleicht eine größere Chance. Vielleicht ja auch die der Wiederentdeckung. Es gibt Anzeichen dafür. Beuckers: „In der jungen Szene ist er durchaus bekannt.“