Düsseldorf verleiht Caroline Link den Helmut-Käutner-Preis 2019

Filmpreis : Caroline Link: „Ich will von Zuversicht erzählen“

Die oscarprämierte Regisseurin wurde im Rathaus mit dem Helmut-Käutner-Preis ausgezeichnet.

Zwei Ausschnitte aus der Filmmusik zu Caroline Links oscarnominiertem Film „Jenseits der Stille“ präsentierten Klarinettistin Eszter Király an der Klarinette und Gitarrist Airam de Vera Ramos von der Robert-Schumann-Hoschule am Freitag im Rathaus. Das erste Stück war langsam, meditativ und melancholisch, das zweite schnell, beschwingt und optimistisch. Passender konnte die Stadt Düsseldorf die festliche Verleihung des Helmut-Käutner-Preises 2019 an die Regisseurin und Drehbuchautorin nicht eröffnen. Denn egal, ob in „Jenseits der Stille“ (1996), „Pünktchen und Anton“ (1999), „Nirgendwo in Afrika“ (2001), „Im Winter ein Jahr“ (2008), „Exit Marrakech“ (2013) oder „Der Junge muss an die frische Luft“ (2018), immer gelingt es Caroline Link, Tragik und Hoffnung auf wunderbare Weise miteinander zu vereinen.

Am 15. Juni hatte eine Jury aus Vertretern der Filmbranche, Politik und Verwaltung für Caroline Link als Preisträgerin des mit 10 000 Euro dotierten Helmut-Käutner-Preises gestimmt. Oberbürgermeister Thomas Geisel eröffnete den Fest-Akt, an dem auch Ulrich Tukur teilnahm. Er erhielt den Käutner-Preis 2015 und spielte in „Exit Marrakech“ einen exzentrischen Theaterregisseur, der sich von seinem Sohn entfremdet hat. Geisel würdigte Caroline Link als eine Filmemacherin, der es in ihren Arbeiten gelinge, einem breiten Publikum gesellschaftlich relevante Themen nahzubringen: „Sie greifen aktuelle Fragen auf, Sie entwickeln eine geeignete Bildsprache, um anspruchsvolle Themen und gute Unterhaltung virtuos zusammenzubringen. Dabei ermutigen Sie die Menschen dazu, zu ihren Gefühlen zu stehen und sie zu zeigen.“

Nach Geisels Begrüßungsrede folgte eine klug komponierte Film-Collage mit Ausschnitten aus ihren sechs Leinwand-Werken. Es handelte sich immer um Schlüsselszenen, die klar machten, worum sich ihre Filme drehen, etwa wenn Julius Weckauf alias junger Hape Kerkeling in der elterlichen Küche versucht, seine weinende Mutter (Luise Heyer) mit Komik-Performances aufzuheitern. Zum Beispiel, indem er verkleidet zu „Spaniens Gitarren“ von Cindy & Bert tanzt und seine depressionsgeplagte Mutter tatsächlich zum Lachen bringt.

Den Höhepunkt der Preis-Verleihung bildete die Laudatio von Literatur- und Medienwissenschaftler Jörg Glasenapp von der Universität Bamberg. Er nannte seinen Vortrag „Wovon Caroline Link etwas versteht“, inspiriert vom Ausspruch des Nouvelle-Vague-Mitbegründers François Truffaut, den auch die geehrte Filmemacherin gern zitiert: „Wer nur vom Filmemachen etwas versteht, versteht auch davon nichts.“ Kenntnisreich und sprachlich anschaulich präsentierte Glasenapp seine spannenden Thesen zu Links filmischem Schaffen. Zuallererst verstünde die 55-jährige Regisseurin etwas von Familie. Sie sei „die Familienregisseurin des deutschsprachigen Kinos“, die zugleich aber „an den familialen Hort der Geborgenheit“ nicht recht zu glauben scheint. Link führe uns „die Familie als Konfliktzone“ vor, „in der Interessen- und Bedürfnislagen der einzelnen Familienmitglieder nur schwer oder gar nicht in Einklang zu bringen sind“. Ebenso verstehe Link etwas vom „kindlichen Blick auf die Welt“, was vor allem in „Der Junge muss an die frische Luft“ sichtbar sei, der dem „Geworden-Sein des Komikers und Entertainers Hape Kerkeling“ nachspüre und zeige wie er mit Sketchen und travestischem Blösinn den Kampf um das Leben seiner Mutter verliere.

Die Geehrte selbst betonte in ihrer knapp fünfminütigen Rede, dass sie als Honorarprofessorin an der Hochschule für Film und Fernsehen in München vor allem ihren Studentinnen predige, aufzuhören, so bescheiden zu sein. Sie müsse da mit gutem Beispiel vorangehen und freue sich ohne Selbstzweifel und falsche Bescheidenheit über die Auszeichnung. Es sei ihr immer ein Anliegen gewesen, von Welten zu erzählen, die sie zuvor so noch nicht kannte, etwa der Welt der Gehörlosen in „Jenseits der Stille“, von Kenia in „Nirgendwo in Afrika“ oder von Marokko in „Exit Marrakesh“, und von Menschen, die sie sehr gut kenne, „von Vätern und Töchtern und Söhnen, von Familien, von Generationskonflikten“.

Nicht zuletzt habe Link auch ihren Hang zum Optimismus immer gegen Anfeindungen verteidigt: „Es ist mir ein sehr starkes Bedürfnis, in unserer komplexen und komplizierten Zeit von Lösungen zu erzählen, von Zuversicht, von Zusammenhalt und von Hoffnung.“

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