Düsseldorf und Haifa – Zwei Partnerstädte im Vergleich

Ausstellung : Ausstellung zu Düsseldorf und Haifa – Partnerstädte im Vergleich

„Urbane Parallelen“ nennt sich eine Ausstellung mit Stadtansichten aus Haifa und Düsseldorf im Stadtmuseum.

Rein zufällig lernte Georg Döring, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (BDA) Düsseldorf, im Kultlokal Zicke den Generaldirektor der Haifa-Museen, Nissim Tal, kennen. Schon nach einigen Minuten war klar, dass man eine gemeinsame Ausstellung machen wolle. Das Ergebnis nennt sich „Urbane Parallelen“ und ist im Stadtmuseum zu sehen. Es geht um die Partnerstädte Düsseldorf und Haifa in Architektur und Kunst.

„Eigentlich sind die Städte gar nicht zu vergleichen“, erklärt Döring im Gespräch. Und führt aus: „Düsseldorf ist eine perfekte, reiche, mitteleuropäische Stadt. Haifa ist die Stadt der Armut. In Tel Aviv wird getanzt, in Jerusalem gebetet und in Haifa gearbeitet. In einer Arbeiterstadt sieht es nun mal so aus wie auf den Fotos in der Ausstellung. Aber Haifa hat auch mehr Leben aufgrund der vielen sozialen Unterschiede.“

Dennoch zeigt die Schau mit den interessanten Fotos auch Dinge, wie sie heutzutage in jeder Stadt üblich sind. Dabei verschwindet in der Regel immer mehr die alte Stadt und weicht der neuen. Döring nahm seinen Bruder Johannes Döring mit ins Boot, der mit der Kamera in der Hand die Spolien in Düsseldorf untersuchte. Dabei handelt es sich bekanntlich um Bauteile aus älteren Kulturen, die in neuen Bauwerken wiederverwendet werden. Eine Fassadenkunst also des Alten im Neuen. Die hieisgen Beispiele reichen von „Friedrich und Friedrich“ bis zum GAP und den Karyatiden der alten Kunsthalle vor dem neuen Gebäude. In Israel spricht Museumschef Nissim Tal von „Konstruktion und Dekonstruktion in Zeiten der Privatisierung“. Er schlägt damit kritischere Töne an, weil das Alte in Haifa einfach untergeht und das Leben der Armen oft nur in kleinen grünen Zellen überdauert.

Interessant sind aus hiesiger Sicht vor allem die Vergleiche innerhalb des Stadtteils Garath, wie sie die Architektin Anna Wollenberg und der Fotograf Markus Luigs anstellen. Dabei zeigt sich noch heute jenes Raster, wie es der Stadtplaner Friedrich Tamms in den 1950er und 1960er Jahren konzipierte: Mal Plattenbauten für die armen Schichten, mal Einfamilienhäuser für die betuchten Bürger. Dazwischen dann die herausragende Kirche von Gottfried Böhm.

Ein bisschen Ökologie darf es auch sein. Das Düsseldorfer BDA-Mitglied Bettina Bertossi zog mit dem Fotografen Jens Kirchner los und wurde an der Kölner Straße zwischen Hauptbahnhof und Oberbilker Markt fündig. Dabei wurden Öko-Zellen mit Grünfutter in Holzkästen zwischen den Hochhäusern entdeckt.

Viel Mühe gaben sich Daniel Schumann, Wolfgang Vetten und Matthias Pfeifer in der ehemaligen Gerresheimer Glashütte. Vetten nahm sich das Relikt des Glasturms ins Visier und beobachtete die Lichtsituation in dem Solitärbau. Sein Video zeigt, wie sich der Turm im Sonnenlicht zuweilen von Sekunde zu Sekunde ändern kann. Ähnlich wie der Förderverein Industriekultur vor Ort machte die Gruppe auch Interviews mit ehemaligen Arbeitern in der längst stillgelegten Produktionsstätte.

Für einen Pfiff besonderer Art sorgt die Künstlerin Susanne Narath aus Ratingen, die zugleich Mitglied im BDA ist. Sie kleidete eine junge, schöne Frau als Nonne mit Haube, Muslimin mit Kopftuch und Jüdin mit Haarperücke. Das vierte Foto zeigt die Frau, wie sie ohne die bestimmenden Accessoires aussieht. Und siehe da: Die fotografierte Frau ist immer dieselbe Figur. Das ist die Botschaft.

Stadtmuseum Düsseldorf, Berger Allee 2. Öffnung : Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr. Freier Eintritt von 17 bis 18 Uhr und am Sonntag.

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