Düsseldorf: So schrill kann "Der Nanny" sein

Theater an der Kö : So schrill kann „Der Nanny“ sein

Die Filmkomödie von Matthias Schweighöfer jetzt auf der Bühne.

Clemens ist ein hektischer Bauunternehmer. Für lukrative Investitionen hält er stets das Handy am Ohr und sucht händeringend eine Nanny. Für seine verwöhnten Blagen, die bisher alle Kinderbehüterinnen nach kurzer Zeit vergraulten. Clemens braucht eine solche Hilfe dringend, denn er ist Witwer. Und Kapitalismus-Vertreter der üblen Sorte, der alte Häuser in einem Hafenviertel abreißen will, um mit schicken, teuren Lofts Millionen zu verdienen. Ausgerechnet aus dem Kiez, der er mit der Abrissbirne droht, kommt die Rettung – in Gestalt des scheinbaren Trottels Rolf Horst.

Genügend Stoff für eine Komödie, dachte Deutschlands Vorzeige-Mime Matthias Schweighöfer und drehte 2015 als Regisseur und Darsteller (Clemens) den Kinofilm „Der Nanny“, den Christian Kühn später in eine Bühnenfassung verwandelte. Bei der Premiere im Theater an der Kö wurden besonders die Schauspieler mit herzlichem Applaus gefeiert.

Grotesker und knalliger Humor,
überspitzte Typen

Die Filmpremiere im März 2015 fand ein geteiltes Echo. Der Humor sei ranzig, manchmal zotig, die Charaktere flach, hieß es. Und die Läuterung des Rabenvaters und Heuschrecke Clemens zum treusorgenden Papi sei unglaubwürdig. Schwächen, die selbst Kühnes pfiffige, schrille und schräge Theaterregie nicht ganz wettmachen kann. Doch gelingt dem Regisseur (Leiter der Comödie Dresden) und den Darstellern, das Publikum mit groteskem, knalligem Humor und überspitzten Typen mitzureißen.

Als mittelzynischer Anzugträger Clemens, der seine verzogenen ‚Pubertiere’ nicht in den Griff bekommt, überzeugt Andreas Elsholz (einst schöner Jungstar der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“). Er hat zwar nicht die Hauptrolle, macht aber den Schweighöfer.

Der leicht verklemmte Rolf Horst als männlicher Nanny zieht die eben noch garstigen Kinder (Christina Stephan und Hannes Ellermann) auf seine Seite, lässt fünfe gerade sein. Hinreißend komisch spielt Carsten Strauch diesen Kinderversteher, setzt auf Comedy, Sketche, Slapsticks und auf sein entwaffnendes Kichern in höchsten Registern. Mackie Heilmann – von Typ und tiefer Stimme eine Nachfolgerin des kölschen Originals Trude Herr – begeistert in mehreren Rollen. Als gescheiterte Nanny oder rotzige, dreiste und notgeile Investorin reizt sie ihre Vorzüge als Ulknudel mit ultra frechem Mundwerk bis zum Äußersten aus. Und spielt schon mal die Kollegen an die Wand.

Fazit: Ein amüsanter Abend mit manchmal haarsträubendem Humor und einem Happy End mit Überraschungs-Effekt.

Infos: Bis 20. Januar, täglich (außer Montag) 20 Uhr, Sonn- und Feiertag 18 Uhr, Silvester: 16.30/19.30/22.30 Uhr. Tickets unter Telefon 322 333.