Düsseldorf: So anstrengend kann Tanz im Diskurs mit Musik sein

Tanzhaus NRW : So anstrengend kann Tanz im Diskurs mit Musik sein

Choreograf Emanuel Gat ließ Musik, gespielt vom Ensemble Modern, auf kompromisslose Bewegungsmuster treffen.

„Story Water“ – der Titel bezieht sich auf ein Gedicht des Sufi-Poeten Rumi – von Emanuel Gat Dance war nun in der Reihe „Groß Tanzen“ auch im Tanzhaus NRW zu erleben.

Zeitgenössische Musik allein kann schon bisweilen derart den Hörer herausfordern, dass es recht anstrengend wird. Dies gilt nicht zuletzt für die von Ideen und einer unermesslichen Schöpferkraft durchdrungenen, auf lediglich einer Keimzelle basierende Klangorgie, die der französische Komponist – für manche gilt er als Dirigent noch bedeutender – Pierre Boulez in „Dérive 2“ zelebriert. Um diese Musik wirklich lebendig werden zu lassen, braucht es schon Musiker wie das Ensemble Modern, die sich ganz und gar der Interpretation zeitgenössischer Musik verschrieben haben.

Das Frankfurter Solisten-Kollektiv hat gemeinsam mit dem israelischen Choreografen Emanuel Gat beim Festival D’avignon 2018 die unerbittliche Energie von Boulez’ Stück mit einer ebenfalls unerbittlichen choreografischen Sprache zusammengeführt.

Ein dreiteiliges Werk, in dem neben Boulez und „Fury II“ von Rebecca Saunders – eine packend-erschreckend düstere Musik für Kontrabass und Ensemble –, eine „Neukomposition“ um Volkstänze aus Amerika und Isreal, die gemeinsam mit Gat Dance und dem Ensemble Modern improvisiert wurde, die musikalische Folie bieten. Auf der Gat ganz eigene bewegungsästhetische Visionen abspielen lässt.

Es gibt einen inhärenten Bruch zwischen Musik und Choreografie – doch gerade das obsessive Moment, immer wiederholter Gesten und Bewegungsmuster durch die zehn Tänzer, tritt in einen schroffen, aber den Betrachter und Hörer herausfordernden Dialog.

Dies geschah bei der Aufführung in Frankreich in lebendigem Diskurs zwischen den Musikern und Tänzer auf der Bühne. Die zugegebenermaßen sehr versteckte hochkomplexe Poesie von Boulez’ Werk wird bewusst durch den Tanz konterkariert.

In Düsseldorf kommt die Musik vom Band, macht aber die Kraft dieses Stückes nicht weniger übergriffig. Psychologisch zermürbt Gat den Betrachter mit immer wieder mit wenigen Variationen durchgeführten Bewegungskonstellationen, die auch mal das Lachen herausfordern, im Kern aber den Betrachter mit seiner eigenen Wahrnehmung konfrontieren.

Hierbei spielt eine ab dem ersten Moment mitlaufende digitale Uhr eine hermeneutische Rolle – ist Hermeneutik in diesem Werk auch eher zweitrangig. Wie erlösend wirkt schließlich nach Aufladung, Zusammenbruch und Erneuerung der Rekurs auf Banalitäten volkstümlicher Reminiszenz. Von Wasser – wie auch immer – keine Spur.