Düsseldorf: Salon des Amateurs vor der Wiedereröffnung

Düsseldorf : Salon des Amateurs vor der Wiedereröffnung im Oktober

Die beliebte Lounge und Club-Bar erstrahlt nach dem Totalschaden in neuer Helligkeit. Ein Gespräch mit Pächter und Architektin.

Hell sieht er aus, freundlich, einladend und groß, der Salon des Amateurs neben der Kunsthalle am Grabbeplatz. Fast ein Jahr lang war er geschlossen, seitdem Anfang Oktober 2018 ein großer Wasserschaden den Betrieb lahmgelegt hat. Ein Rohrbruch war in der Damentoilette ausgebrochen, das Wasser drang unter den gegossenen Fußboden. Man entdeckte den Schaden eher zufällig, als eine Festival-Bühne im Inneren beim Abbau voller Schimmel war. Daraufhin wurden die Inneneinrichtung, die Installation, die Böden und Wände herausgerissen. Der Salon ähnelte monatelang einem Rohbau. Erst jetzt wird er in eine Lounge und einen Musik-Club zurückverwandelt, soll aber auch ein Café mit kleinem Restaurant für das Tagesgeschäft bieten.

Innenarchitektin Susanne Kerßenboom stammt aus Düsseldorf. Sie kennt die Szene, musste aber zwei Wünsche erfüllen, wie sie sagt. „Der Club-Charakter sollte gewahrt bleiben, so dass sich die Gäste weiterhin mit dem Raum identifizieren. Aber die Stadt will auch an die Anfänge von 2004 anknüpfen, als man schon mittags ein Häppchen oder ein Stück Kuchen essen konnte.“ Denn der Salon soll nicht nur Treffpunkt für musikbegeisterte Nachtschwärmer, sondern auch für Tagesgäste sein. Es gilt, durch den Kaffeehaus-Betrieb mehr Besucher in die Kunsthalle zu locken, die doch unabhängig von Veranstaltungen oft allzu ruhig im Innern bleibt.

Hell und großzügig gestaltet wirkt der Salon des Amateurs nach seiner Sanierung. Foto: Helga Meister

Der Salon kann
nun gelüftet werden

Der Salon des Amateurs war einst aus der Not heraus geboren, als Ersatz für das Künstlerkaffee im Barockschlösschen am Ehrenhof, das aber an Eon vermietet wurde. Nun hat die Architektin Susanne Kerßenboom den Raum klar durchdacht und das gesamte Equipment modernisiert. Die Installationen entsprechen den Richtlinien der Nachhaltigkeit. Die einstigen Stahlfenster sind durch Alufenster mit Wärmedämmung ersetzt. Die Heizung ist nun zweigeteilt, weil zwischen die Fensterfront eine Tür in der Mitte des Raumes eingebaut ist, die nach draußen auf einen Balkon führt. So können auch Gäste im Freien sitzen. Vor allem aber kann der Salon „tüchtig gelüftet werden“, wie sie sagt. An der frischen Luft hatte es in der Tat gehapert.

Der dunkle, gegossene Boden ist durch helle Betonsteine in Terrazzo-Optik ersetzt. Alle Wände sind hell gestrichen. Die Beleuchtung ist komplett erneuert und besteht aus Strahlern, die sich dimmen lassen und die Tische punktuell beleuchten. Das erzeuge, so Kerßenboom, eine gewisse gemütliche Atmosphäre. Im hinteren Teil hängt schon das Kabel für den Beamer von der Decke, denn selbstverständlich wird es weiterhin Kunstvideos zu sehen geben. Von oben und von unten wird die Lamellenwand angeleuchtet, die neuerdings zweifarbig ist. Der eintretende Gast sieht sie in Currygelb. Dreht er sich um, hat er die Streifen in jenem Rotton, den er von früher kennt.

Lounge-Sessel sind inzwischen geordert, wenn auch nicht von Andreas Gursky, der sie einst gespendet hat. Die Theke wird soeben installiert, sie entspricht der Erstfassung. Wie in den Anfängen handelt es sich um eine Spezialanfertigung aus Anröchter Dolomitplatten, wobei die jeweiligen Platten der Breite zweier Fliesen entsprechen. So entsteht eine neue Klarheit. Weil der Raum so niedrig ist, ist auch die Theke niedriger als üblich und erinnert an eine Hotelbar. Selbst die Toiletten sind nicht wiederzuerkennen. Für die Damen erstrahlen sie in Gelb, die für die Herren in Grün.

Noch ist der 160 Quadratmeter große Raum leer. Die Inneneinrichtung ist ausgesucht, aber sie wird erst in den kommenden Wochen erwartet. Die Eröffnung soll im Oktober sein. Der genaue Termin und damit auch das Musikprogramm stehen noch nicht fest. Pächter Aron Mehzion verspricht aber schon jetzt eine „ganz tolle Party“.

Volles Programm an der Schnittstelle von Kunst und Musik

Mit der Öffnung  des Raums schon ab Mittag wird es auch in der Woche Programme geben. Nach Auskunft von Aron Mehzion sind Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle und dem Kunstverein geplant. Buchpräsentationen im Treppenhaus der Kunsthalle gehören damit der Vergangenheit an. Sie finden selbstverständlich bei den „Amateuren“ statt. Laut Mehzion ist an alles gedacht, was an der „Schnittstelle zwischen Musik und bildender Kunst“ liegt.

Der Salon-Stil am Wochenende wird bleiben. Hier werden Live-Konzerte und Veranstaltungen mit DJ’s einander abwechseln. Nur finden sie nicht mehr bis acht Uhr in der Früh, sondern „nur noch“ bis 4, maximal 4.30 Uhr am Wochenende statt. In der Woche wird der Salon morgens zwischen 1 und 2 Uhr schließen.

Aron Mehzion selbst hat das Jahr der Schließung gut überstanden, schließlich ist er auch Künstler und Meisterschüler der Kunstakademie. Sein Galerist Daniel Marzona aus Berlin hat ihn für ein Gastspiel auf die Artissima, der Kunstmesse für Zeitgenössische Kunst in Turin eingeladen. In der Zeit ohne Job konnte er sich ganz auf seine Kunst konzentrieren und eigene Werke schaffen. Nun aber freut er sich, wenn es am Grabbeplatz wieder losgeht. „Der Salon des Amateurs war ein Treffpunkt für Künstler und Kunstfans, das wird er auch im neuen Ambiente bleiben“, verspricht er.

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